Migranten

Kristina Schröders zusammengeknipste Gewalt-Studie

Mit einer Studie zur Gewaltbereitschaft junger muslimischer Migranten wollte Familienministern Schröder Tabus brechen. Für Uli Exner ist sie damit übers Ziel hinausgeschossen.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Eine jener Thesen, die Kristina Schröder am Freitag der Öffentlichkeit präsentierte, ist auf jeden Fall richtig: „Ohne die Eltern erreichen wir nichts.“ Das trifft ja immer zu, wenn es um Erziehungsfragen geht. Der Staat ist im Einzelfall überfordert. Er sollte sich also darauf konzentrieren, einigermaßen vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, innerhalb derer Erziehung dann auch funktionieren kann. Da liegt – Kinderbetreuungsangebot, Ganztagsschulen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderarmut – einiges im Argen, wenn man sich so umschaut im Aufgabengebiet einer Bundesfamilienministerin. Ein weites Feld, immer noch sehr mühsam zu beackern, auch ein bisschen undankbar, nachdem die Vorgängerin den Vorrat an Lorbeeren ziemlich geplündert hat.

Das muss man wohl auch bedenken, wenn man sich fragt, wieso, weshalb, warum Kristina Schröder im Oktober dieses Jahres zwei Studien in Auftrag gegeben hat über die Gewaltbereitschaft junger Migranten muslimischer Herkunft. Und weshalb sie bei der sehr zügigen Präsentation über Ziel und Ergebnis dieser Studien deutlich hinausschießt. Den von der Familienministerin hervorgehobenen Zusammenhang zwischen islamischer Religiosität und Gewaltbereitschaft belegt die Studie schon aus Mangel an entsprechendem Datenmaterial nicht. Polizeistatistiken fragen nicht nach der Religionszugehörigkeit der Täter.

Die, sagen wir mal ziemlich eilig zusammengeknipste, Studie „Jugendliche Migranten“, eine „Kurzexpertise“, weist stattdessen wie jede aktuelle Kriminalstatistik nach, dass Gewaltdelikte in überproportionalem Maß von nicht deutschen Jugendlichen verübt werden. Aber schon bei den aktuellen Steigerungsraten, ist noch nicht mal ein gefühlter Zusammenhang mit der Religion herzustellen. Mit dem Geschlecht dagegen schon. Männer natürlich, dicke Hose, schlechte Manieren, aber das ist bei Tätern mit deutschem Pass und christlicher Taufurkunde ja nicht anders.

Neu ist das, was Kristian da am Freitag vorträgt, eher nicht; erst recht kein Tabubruch, was ja meistens suggeriert wird bei Themen, die in Thilo Sarrazins kleiner Welt spielen, über die die Republik aber schon mehr als zwei Jahrzehnte debattiert. Wenn Schröders „neue“ Studien also etwas belegen, dann ist es die mangelnde Fähigkeit der Politik aus längst gemachten Erkenntnissen, aus offensichtlichen gesellschaftlichen Entwicklungen die richtigen Schlüsse zu ziehen und Fehlentwicklungen rechtzeitig zu begegnen.

Da mag auch rot-grüne Realitätsflucht ihren Teil dazu beigetragen haben, die auch am Freitag wieder herauslugte aus dem erwartbaren Zeter und Mordio. Unterm Strich aber hatte die Union über die Jahre ausreichend Gelegenheit für „klare Regeln“, „wirksame Prävention“ und „frühe Förderung von Kindern und Jugendlichen“ zu sorgen, mit denen Kristina Schröder die Probleme nun lösen will. Nur los, möchte man da der Familienministerin zurufen – nicht ohne sich nach deren bisheriger Performance zu fragen, ob sie mit dieser Aufgabe nicht doch ein wenig überfordert ist. Die vorgelegten wissenschaftlichen Schnellschüsse und das als Folgerung angekündigte „Werkstattgespräch mit Schülern, Lehrern, Migrantenvertretern, Praktikern aus der Polizei, der Justiz und der Präventionsarbeit“ können jedenfalls allerhöchstens winzige erste Schritte sein, mehr nicht.

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