Sachsen

Schülerinnen dürfen Kopftücher wieder tragen

Kopftuch-Streit an einer sächsischen Schule. Erst wurde das Tragen der religiösen Kopfbedeckung verboten – jetzt ist es wieder erlaubt.

Mädchen ist es an sächsischen Schulen grundsätzlich erlaubt, Kopftücher aus religiösen Gründen zu tragen. Das stellte das Kultusministerium klar. Das verfassungsrechtlich geschützte Grundrecht der Religionsfreiheit müsse gewahrt bleiben. Entscheidend sei aber, dass „die Schüler erkennbar sind und aktiv an der Kommunikation teilnehmen können“. Das Tragen einer Burka ist demnach untersagt.

Hintergrund des Kopftuchstreites ist ein Fall aus Dresden. Eine Mittelschule hatte per Hausordnung Kopfbedeckungen untersagt. Eltern zweier Mädchen aus Afghanistan wurde geraten, sich für die Kinder eine andere Schule zu suchen.

Begründet wurde das bereits seit dem Jahr 2008 geltende Verbot für Mützen, Kappen und anderes mit dem Interesse gegenseitigen Respekts und der Förderung eines offenen Umgangs der Jugendlichen untereinander. Dem Ministerium zufolge wird zudem mit Kopfbedeckungen eine eindeutige Identifizierung von Störern erschwert.

Bisher gab es an der Einrichtung im Stadtteil Johannstadt, in der mehr als ein Drittel der Schüler Migrantenkinder sind, offenbar keine Probleme. Laut Ministerium handelt es sich um den ersten Fall dieser Art in Sachsen.

Wegen des Tragens eines Kopftuchs war bereits vor einigen Monaten eine muslimische Schülerin von einer Dresdner Amtsrichterin aus dem Gerichtssaal verwiesen worden. Sie hatte die Kopfbedeckung der 15-Jährigen, die mit ihrer Klasse als Zuschauerin gekommen war, als „unhöflich“ gewertet.

Der Kopftuchstreit hatte Sachsen ausgerechnet in dem Moment erreicht, als Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) zu einer Reise in Golfstaaten unterwegs war. Er kehrt an diesem Freitag aus Katar nach Hause zurück. Die SPD hatte kritisch hinterfragt, wie weltoffen der Freistaat wirklich sei, wenn muslimische Schülerinnen ihr Kopftuch nicht tragen dürfen.