Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat den Vorstoß der Länder, den Hartz-IV-Regelsatz statt um fünf um acht Euro zu erhöhen , zurückgewiesen. „Es geht nicht um einen Kuhhandel“, sagte Schäuble der „Passauer Neuen Presse".„Das Bundesverfassungsgericht hat vor einem Jahr nicht entschieden, dass die Hartz-IV-Sätze zu niedrig sind. Es hat eine transparente Ermittlung des Bedarfs gefordert.“

Die Bundesregierung habe ein transparentes Modell vorgelegt, aus dem sich eine Erhöhung um fünf Euro ergebe. „Ich halte von einer neuen Erhöhungsdebatte nichts. Das Vermittlungsergebnis, das der Bundestag akzeptiert hat, ist großzügig. Zahlen muss letzten Endes immer der Steuerzahler.“

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung diskutiert die Regierungskoalition unter anderem über eine zweistufige Anhebung des Regelsatzes in diesem Jahr. So könnte der Satz zunächst wie geplant um fünf Euro angehoben werden und in einem späteren zweiten Schritt um beispielsweise bis zu drei Euro. „Das ist ein durchaus denkbarer Weg“, hieß es.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) warnte Union und FDP davor, mit neuem Streit über die Hartz-Reform das Ansehen der Politik aufs Spiel zu setzen. Er habe noch Hoffnung, dass man alsbald eine Lösung finde, sagte Böhmer der „Süddeutschen Zeitung“ mit Blick auf den Widerstand der Unionsfraktion und der FDP gegen die Kompromiss-Ideen dreier Ministerpräsidenten. Ansonsten glaubten die Menschen, die Politiker kümmerten sich nicht um echte Probleme, sondern stritten lieber wie die Kesselflicker, sagte Böhmer.

„Wenn es noch einmal schief geht, schadet das der Gesamtheit der Politik und wir hätten uns alle blamiert.“ Zusammen mit den Ministerpräsidenten von Bayern und Rheinland-Pfalz, Horst Seehofer (CSU) und Kurt Beck (SPD), hatte Böhmer vorgeschlagen, den Hartz-IV-Regelsatz um acht statt der bislang geplanten fünf Euro steigen zu lassen und gemäß einer SPD-Forderung im geplanten Bildungspaket für arme Kinder auch weitere Sozialarbeiter an Schulen einzustellen.

Böhmer sagte, er halte einen höheren Regelsatz für vertretbar, für nicht willkürlich und gerichtsfest. Die Rechen-Methode des Bundesarbeitsministeriums werde nicht angetastet, berücksichtigt werde nur die Preisentwicklung im ersten Halbjahr 2010. Böhmer wies auch Kritik aus den Reihen der Abgeordneten von CDU, CSU und FDP sowie der schwarz-gelben Bundesregierung zurück, die Ministerpräsidenten hätten eigenmächtig gehandelt. Man habe versucht, ein Scheitern der Verhandlungen zu verhindern.

Uns war klar, dass wir keine Abmachungen treffen konnten. Wie die „Bild“-Zeitung weiter schreibt, erörtern die beiden Bundestagsfraktionen auch die Einführung von Sonderbedarfsregelungen. Dadurch würde Hartz-IV-Empfängern ermöglicht, beispielsweise Zuschüsse zum Kauf von großen Haushaltsgeräten oder Nahverkehrsfahrscheinen zu beantragen.

dpa/dapd/jm