Konflikt im Südatlantik

Briten und Argentinier streiten um das Falkland-Öl

Bohrungen einer britischen Firma vor den Falklandinseln sorgen erneut für Streit zwischen Großbritannien und Argentinien. Während London die militärische Präsenz erhöht, wendet sich Argentinien an die UN. Als ständiges Mitglied des Sicherheitsrats könnte Großbritannien die UN blockieren.

Foto: AFP

Wird die Geschichte sich wiederholen? Erneut erregen die Falklandinseln internationale Aufmerksamkeit – 28 Jahre nachdem Großbritannien die von Argentinien besetzte Inselgruppe im Südatlantik militärisch zurückerobern konnte.

London beansprucht seit 1833 Souveränität über dieses Territorium, was Argentinien, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft die Inseln liegen, traditionell anficht. Noch redet niemand von einem neuen Waffengang. Aber die Gegensätze haben eine neue Schärfe erreicht, und London erhöht vorsorglich seine militärische Präsenz im Südatlantik.

Es sind ökonomische Interessen, die den Disput neu anfachen. Rings um die Inseln haben Bohrfirmen bereits in den 90er-Jahren beträchtliche Öl– und Gasvorkommen ausgemacht, nach denen 1998 zum ersten Mal gebohrt wurde. Da der Preis für ein Barrel Öl damals bei 10,35 Dollar lag, erschien kommerzielle Ausbeutung zunächst nicht besonders lohnend. Heute, bei einem Rohölpreis um 75 Dollar pro Barrel, sieht das ganz anders aus. Dabei schwanken die Annahmen um die Größe der Ölvorräte noch stark, zwischen acht und 60 Milliarden Barrel. Zum Vergleich: Saudi-Arabien, der weltgrößte Förderer, verfügt über bekannte Reserven von 267 Milliarden Barrel.

Anfang dieser Woche begann die schottische Ölplattform „Ocean Guardian“ des britischen Unternehmens Desire Petroleum mit neuen Bohrungen, 100 Meilen nördlich von Port Stanley, der Falkland-Hauptstadt. Vier weitere Ölfirmen haben ebenfalls bereits Lizenzen zur Exploration erworben. Nach internationalem Recht besitzt jedes Land volle Hoheit innerhalb einer ökonomischen Zone von 200 Meilen um seine Grenzen. London lässt entsprechend keinen Zweifel daran, dass die Ölbohrungen im Südatlantik rechtens sind.

Dagegen hat sich in Argentinien ein Sturm der Entrüstung erhoben, begleitet von diplomatischem Trommelfeuer durch die Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner. Diese sucht ihre schwankende innenpolitische Basis durch einen auswärtigen Konflikt, der den argentinischen Nationalstolz anspricht, neu zu festigen, und hat sich dafür die Unterstützung der lateinamerikanischen Staaten gesichert. Auf deren Gipfel Anfang dieser Woche im mexikanischen Cancún erhielt sie eine Solidaritätsbekundung, die den argentinischen Souveränitätsanspruch über die Malvinas, wie Buenos Aires die Inselgruppe nennt, ohne Abstriche unterstützte.

Prompt entsandte Kirchner ihren Außenminister Jorge Taiana daraufhin nach New York, um den „unilateralen illegalen britischen Akt“ vor den Vereinten Nationen scharf verurteilen zu lassen. Das Vorgehen Londons widerspreche allen UN-Resolutionen, denen zufolge bei Territorialdisputen kein Land eigenmächtig handeln dürfe. UN–Generalsekretär Ban Ki-moon hat laut Taiana versprochen, seine „guten Dienste“ zur Schlichtung des Konflikts anzubieten.

Die Hände dafür sind ihm freilich gebunden. Als ständiges Mitglied des UN–Sicherheitsrats kann London jeden Schlichtungsversuch, der nicht von seinem Souveränitätsanspruch auf die Falklandinseln ausgeht, blockieren. Dieser Punkt bewegte auch den Lateinamerika–Gipfel in Cancún, wo Brasilien, das seit Langem die bestehende UN–Sicherheitsratsstruktur mit ihren fünf permanenten Mitgliedern anprangert, eine heftige Polemik führte.

„Was ist die geografische, politische und ökonomische Erklärung für Englands Präsenz auf den Malvinas?“, fragte Brasiliens Präsident Lula rhetorisch, um selbst zu antworten: „Könnte es sein, weil England als ständiges Mitglied des UN–Sicherheitsrats machen kann, was es will – und die anderen nichts?“ Es ist offensichtlich, dass sich der antikoloniale Affekt in der Welt seit 1982 weiter vertieft hat, und mit diesem Argument sucht Argentinien heute neue Hilfe für sein Anliegen.

Trotz ihrer Beteuerung, eine diplomatische Lösung anstreben zu wollen, unterzeichnete Kirchner am Dienstag ein Dekret, wonach Schiffe, die auf dem Weg zu den Falklandinseln durch argentinische Gewässer fahren, dafür eine Erlaubnis einholen müssen. Dabei gab es bereits 1995 eine Übereinkunft zwischen Großbritannien und Argentinien, Umwelt- oder Wirtschaftsprobleme im Südatlantik gemeinsam anzugehen. Buenos Aires kündigte diese 2007, da es keine Einigung gab über sein Postulat, eine solche Kooperation müsse letztlich zur Klärung der Souveränitätsfrage führen.

Anders als noch im Jahr 1982 kann sich London heute in dem Konflikt mit Argentinien nicht auf die Unterstützung durch die USA verlassen. Während Präsident Ronald Reagan sich damals auf die britische Seite stellte und Margaret Thatcher wertvolle logistische Hilfe leistete bei der Rückeroberung der Falklandinseln, pocht das Weiße Haus heute, wie aus Washington verlautet, auf seine Position der Neutralität und will die streitenden Parteien in bilaterale Verhandlungen drängen.

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