"Urbi et Orbi"

Papst fordert Solidarität mit verfolgten Christen

Auf dem Petersplatz hat der Papst in seiner Weihnachtsbotschaft ein Eintreten für bedrängte Christen gefordert – besonders im Nahen Osten.

In seiner Weihnachtsbotschaft hat Papst Benedikt XVI. zur Unterstützung für verfolgte Christen weltweit aufgerufen. Vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz forderte das Oberhaupt der katholischen Kirche Solidarität mit bedrängten Christen vor allem im Nahen Osten . In Nigeria starben Heiligabend bei Angriffen auf Kirchen mindestens sechs Menschen, auf den Philippinen wurden Gläubige bei einem Attentat auf ein Gotteshaus verletzt.

Politiker aller Staaten müssten „tätige Solidarität“ mit Christen im Irak und „im ganzen Nahen Osten“ zeigen, sagte Benedikt XVI. im Vatikan, wo er in 65 Sprachen den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis) erteilte. Bei einer Geiselnahme in einer Kirche in der irakischen Haupstadt Bagdad und einer anschließenden Befreiungsaktion waren Ende Oktober 44 Gläubige, zwei Priester sowie sieben Sicherheitskräfte ums Leben gekommen. Seitdem haben nach UN-Angaben tausende Christen den Irak verlassen.

Der Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch , sagte „Bild am Sonntag“, Christen seien „gegenwärtig die am meisten verfolgte Religionsgruppe“. Untersuchungen zufolge seien weltweit 100 Millionen Christen von Diskriminierung, Schikanen oder Gewalt betroffen. Viele Christen müssten die Erfahrung machen, dass es „in einer Welt des Hasses“ schwierig „und manchmal tödlich“ sein könne, sich zu Gott zu bekennen.

Im Norden Nigerias wurden an Heiligabend sechs Menschen bei Angriffen auf drei Kirchen getötet. Ein Armeesprecher vermutete eine islamistische Sekte hinter den Gewalttaten. In der Stadt Jos im Zentrum des Landes, wo es starke Spannungen zwischen Christen und Muslimen gibt, kamen acht Menschen bei einer Explosion ums Leben. Die Ursache war aber zunächst unklar. Auf der philippinischen Insel Jolo explodierte während einer christlichen Weihnachtsmesse eine Bombe. Sechs Menschen wurden verletzt. Die Armee sah die radikalislamische Gruppierung Abu Sayyaf hinter dem Anschlag.

In seiner Weihnachtsbotschaft mahnte Benedikt XVI. auch Religions- und Gewissensfreiheit in China an. Die Gläubigen dort dürften wegen der Einschränkungen nicht verzagen, sondern müssten „die Flamme der Hoffnung am Leben erhalten“, sagte das 83-Jährige Kirchenoberhaupt. Israelis und Palästinenser rief Benedikt XVI. zu einem „gerechten und friedlichen Zusammenleben“ auf. Er brachte zugleich die Hoffnung auf einen „dauerhaften Frieden“ in der Elfenbeinküste, Somalia und der sudanesischen Krisenregion Darfur zum Ausdruck. Zudem gedachte der Papst der Bevölkerung in Haiti, die noch immer unter den Folgen der Erdbebenkatastrophe und der darauffolgenden Choleraepidemie leide.

In der traditionellen Mitternachtsmesse an Heiligabend hatte der Papst zuvor zu mehr „Brüderlichkeit“ aufgerufen. „Herr, zerbrich die Stöcke der Treiber, verbrenne die dröhnenden Stiefel, lass die Zeit der blutbefleckten Mäntel zu Ende gehen“, betete der Papst vor tausenden Gläubigen im Petersdom. „Richte die Herrschaft deiner Wahrheit und deiner Liebe auf in der Welt.“

Auch in Bethlehem kamen tausende Menschen am Freitagabend zur Christmette zusammen. Die Geburtsstadt Jesu verzeichnete dieses Jahr zu Weihnachten einen Besucherrekord. Die Zahl der zunächst geschätzten 90.000 Gäste sei noch überschritten worden, sagte ein Stadtvertreter.

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