Katholische Kirche

Papst übt Selbstkritik nach Missbrauchskandalen

Ernste Worte von Benedikt zum Beginn der Weihnachtswoche: Das unvorstellbare Ausmaß des Missbrauchskandals habe den Papst und die Kirche erschüttert.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Papst Benedikt XVI. hat die Weihnachtswoche mit einem Rückblick auf den Skandal um sexuellen Missbrauch durch Priester der katholischen Kirche eröffnet. Das unvorstellbare Ausmaß des Skandals habe Papst und Kirche erschüttert, erklärte Benedikt in Rom auf dem traditionellen Weihnachtsempfang für die Kurie. Minderjährige seien tief verletzt und für ihr ganzes Leben geschädigt worden. Die Kirche müsse diese Vorkommnisse als einen Aufruf zur Wahrheit und zur Erneuerung nutzen, machte der Papst deutlich. Der Missbrauchsskandal in mehreren Ländern, darunter Deutschland, hatte den Vatikan in eine tiefe Krise gestürzt.

„Wir müssen uns fragen, was wir tun können, um das geschehene Unrecht so weit wie möglich wieder gutzumachen“, forderte Benedikt. „Wir müssen eine neue Entschlossenheit im Glauben und Guten finden. Wir müssen zur Buße fähig sein. Wir müssen uns anstrengen, alles nur mögliche zu tun in der Vorbereitung auf das Priestertum, damit eine solche Sache nicht mehr passieren kann.“ Die Kirche sei sich bewusst, dass das, was Priester begangen hätten, eine besonders schwere Sünde sei. Daraus leite sich die entsprechende Verantwortung der Kirche ab.

Unterdessen dämpfte der Münchner Kardinal Reinhard Marx allzu große Erwartungen in Verbindung mit Benedikts Deutschlandbesuch im kommenden Jahr. Zwar werde die Visite vom 22. bis 25. September in Berlin, Erfurt und Freiburg Positives bewirken. „Aber sie löst nicht einfach die Probleme“, sagte der Münchner Erzbischof mit Blick auf den Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche nach dem Missbrauchskandal.


Die Debatte um den sexuellen Missbrauch an Kindern durch katholische Geistliche hält Marx für nicht beendet. Die Prävention müsse vorangetrieben werden, verlangte der Erzbischof. Er sprach sich „für eine Linie der Offenheit, des Hinschauens und der Transparenz“ aus. „Wir müssen von den Opfern her denken.“ Die Aufklärung habe aber auch ihre Grenzen. „Die genaue Zahl der Missbrauchsfälle werden wir nie wissen.“ Gleichzeitig sei bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals klar geworden: „Ein Generalverdacht ist nicht angebracht gegenüber allen Priestern, Ordensleuten und kirchlichen Mitarbeitern.“

Benedikt prangerte in seiner Rede vor der Kurie, also den Vertretern der kirchlichen Verwaltung, erneut auch den Markt der Kinderpornografie und des Sextourismus an. Irgendwie scheine Kinderpornografie von der heutigen Gesellschaft immer mehr als eine normale Sache angesehen zu werden, kritisierte er. Der Papst nannte die psychologische Zerstörung von missbrauchten Kindern, die damit zu einer Ware degradiert würden, „ein furchtbares Zeichen der Zeit.“ Der Sextourismus gefährde in der Dritten Welt eine ganze Generation, und die zunehmende globale Verbreitung von Drogen sei „ein beredter Ausdruck der Diktatur des Mammons, der den Menschen pervertiert“, sagte Benedikt. Für die Entwicklung machte er erneut einen Werteverlust seit den 70er Jahren verantwortlich. So sei Pädophilie „theoretisiert“ worden als Sache, die dem Menschen und dem Kinde völlig konform sei.