Barack Obama hat ausgesprochen, was alle denken, und so in einer Art Notwehrreflex gegen zuviel Ehre das einzig Vernünftige getan: Der Preis könne unmöglich schon seine Taten würdigen, sagte er, sondern müsse ein Ansporn sein und die Hoffnungen aller Menschen auszeichnen. Nur so kann man es sehen. Aber so gesehen trifft der Preis auch genau den Richtigen.

Früh zu kommen, hat den Vorzug, hoffen zu können. Barack Obama hat noch drei Jahre Zeit, die Osloer Entscheidung als seherisch und mutig zu rechtfertigen. Ebenso kann es geschehen, dass der Preis als frühes Omen einer gescheiterten Präsidentschaft in Erinnerung bleibt. Nur darf man fragen: Ist die in Barack Obama gesetzte Hoffnung heikler, törichter, berechnender als jene, die einen chinesischen Dissidenten oder gar den predigenden Popstar Bono erhöht hätte? Barack Obama hat immerhin die Macht und die Mittel, Frieden zu stiften oder wenigstens den Ton zu ändern. Obamas Kairoer Rede an die Muslime war eine Glanztat, auch wenn es nur respektvolle Worte waren. Seine Rede zu Rassenbeziehungen in Amerika in Philadelphia 2008 reihte sich in die glänzendsten Reden John Kennedys und Martin Luther Kings ein. Die rechten Worte zur rechten Zeit zu finden, ist nicht alles, aber ohne sie wird alles nichts.

Der amerikanische Präsident wäre dennoch der erste, der zugibt, dass die Würde ihm Kredit für Absichten und Worte gibt, nicht für Taten und Lösungen. Ja, Oslo wettet auf Barack Obama. Und betet und hofft, dass er gewinnt. Das mag sich als seherisch oder als Fehler herausstellen, der im Rückblick Hohn auf sich zieht. Neu ist die Bereitschaft des Komitees, sich kühn zu irren, jedenfalls nicht.

Mindestens einer der beiden anderen US-Präsidenten, die während ihrer Amtszeit für Verdienste um den Frieden ausgezeichnet wurden, scheiterte: Woodrow Wilson, Preisträger 1919 für den von ihm erträumten Völkerbund, schuf eine schreckliche Missgeburt. Es gelang ihm nicht einmal, gegen den Widerstand des Kongresses, die USA in den Völkerbund zu bringen. Und Theodore Roosevelts von Oslo preisgekrönte Vermittlung im russischen-japanischen Krieg (1904/05) wird in seinem Land bei weitem nicht als seine größte Tat gesehen.

Uwe Schmitt ist seit 1999 Morgenpost-Korrespondent in Washington

Das Contra von Torsten Krauel finde Sie hier.