For what?“ (wofür?), fragte das „Wall Street Journal“ am Freitagmorgen um 5.21 Uhr, kurz nachdem die Meldung vom Friedensnobelpreis für Barack Obama um die Welt gegangen war. Das gab weltweit den Ton für viele Kommentare vor: Die Entscheidung der Nobelpreisjury – offenbar eine Ansammlung träumender Venus-Europäer, notorischer Bush-Hasser und verspäteter Polarkreis-Obamaniker – sei „verfrüht“, der Preis eine „Bürde“.

Möglicherweise schrieben dies die gleichen weltpolitischen Super-Checker, die vor anderthalb Jahren analysierten, die „Obamania“ sei eine Gesundheitsschwäche der MTV-Generation. Der Wohlfühlkandidat habe mit seinem naiven Idealismus gegen die realpolitisch abgebrühte Hillary Clinton keine Chance.

Kritisch fragen sie nun, was Obama „erreicht“ habe. Nun: Er hat gezeigt, dass das Beharren auf der Gültigkeit der Prinzipien abendländischer Vernunft auch heute noch politische Kraft besitzt. Er hat eine desaströse amerikanische Außenpolitik beendet – auch wenn wir mit den Folgen noch Jahre leben müssen.

Wer Obama jetzt vorwirft, er habe seinen Kurs noch nicht gefunden, sollte sich vielleicht kurz erinnern, wohin ein „fester Kurs“ außenpolitisch in den letzten acht Jahren geführt hat. Dass es leichter war, in das irakisch-afghanische Schlamassel hineinzugeraten, als es ist, wieder herauszukommen, kann man Obama schlecht ankreiden. Aber man kann anerkennen, dass er verstanden hat, dass „Frieden“ in einer multipolaren Welt nicht mal eben einseitig durchzudrücken ist.

Obama hat das Sprechen über Politik radikal verändert und damit in einer zynischen Epoche einen geerdeten Idealismus rehabilitiert. Und er hört nicht auf, an das Beste zu appellieren, was der Westen der Welt zu bieten hat: den Geist der Aufklärung.

Das mag idealistisch sein, aber es hat weltweit Menschen die Hoffnung zurückgegeben, dass Vernunft noch eine politische Kraft ist. Ohne einen solchen „naiven“ Glauben stünde heute die Mauer noch, und es wäre kein Schwarzer amerikanischer Präsident.

Vielleicht ist das Nobelpreiskomitee deshalb gar nicht naiv, sondern schlau, wenn es jemanden auszeichnet, der es geschafft hat, Hoffnung global zu reaktivieren. Und vielleicht sind nicht Obamas Wille und Vorstellung das Problem, sondern die noch fehlende Fantasie mancher Republikaner, Iraner, Nordkoreaner, Taliban und Kommentatoren. For that. Dafür.

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