Islamismus

So wurde mein Ex-Mann zum Gotteskrieger

Bei der bundesweiten Islamisten-Razzia am Mittwoch wurde auch der Deutsch-Ägypter Reda Seyam von den Behörden befragt. Morgenpost Online sprach mit seiner Ex-Frau, die sich nach 15 Jahren Ehe von dem Islamisten scheiden ließ und heute unter Pseudonym lebt.

Foto: wdr/rk / WDR

Morgenpost Online: Wie lernten Sie Reda Seyam kennen?

Doris Glück: 1987 in einem Bonner Café. Er suchte eine Frau zum Heiraten, damit er in Deutschland bleiben durfte. Ich half ihm ein Inserat in einer Zeitung aufzugeben. Aber die Frauen, die sich bewarben, wollten zuviel Geld.

Morgenpost Online: Da haben Sie ihn einfach geheiratet?

Glück: Ja. Wir sind uns näher gekommen, haben uns verliebt und nach sieben Tagen geheiratet. Er hatte panische Angst abgeschoben zu werden.


Morgenpost Online: Was war Reda damals für ein Mensch?


Glück: Ein Mensch, wie sie und ich. Sehr deutsch. Er beherrschte die Sprache fließend.


Morgenpost Online: Und was machte ihn so charmant?


Glück: Alles. Seine Art. Wie er riecht. Wie er sich bewegt.


Morgenpost Online: Welche Rolle spielte für ihn der Islam?


Glück: Gar keine. Er hat nicht gebetet. Er hat geraucht, Alkohol getrunken, nur auf Schweinefleisch hat er verzichtet. Wenn wir spazieren gingen, schaute er halbnackten Frauen hinterher. Heute findet er das widerlich und würde ihnen am liebsten den Kopf abhacken.


Morgenpost Online: Wann wurde er zu diesem Menschen?

Glück: Nach dem 1. Golfkrieg 1991 wandelte er sich ganz langsam, betete zu Hause und begann im Koran zu lesen. Nachts fuhr er Taxi, aber ich glaube, er traf sich mit anderen Gotteskriegern. Erst 1994 hat er sich wirklich angestrengt ein Moslem zu sein und ging regelmäßig in die Moschee.


Morgenpost Online: Sie sind dann auch konvertiert. Warum?


Glück: Weil der Islam eine schöne, anständige Religion ist. Aber mein Ex-Mann hat sich bis zu unserer Trennung radikalisiert. Reda will ins Paradies, an die höchste Stelle. Er bekam mehrere Gehirnwäschen.

Morgenpost Online: War er brutal Ihnen gegenüber?

Glück: Als ich erkannte, was er tat und Kritik übte, wurde er brutal. Wir lebten damals in Bosnien. Zweimal bin ich zurück nach Deutschland, weil ich seine Art nicht mehr aushielt: Eines Tages nahm er mich mit zu einer Koran-Lesung. Doch es war die Hinrichtung eines gefangenen Serben. Die Frauen erschossen den Mann, die Männer spielten danach mit der Leiche. Und Reda filmte alles. Verrückt im Kopf. Ich begreife das bis heute nicht.


Morgenpost Online: Waren Sie nicht naiv, dass Sie zu ihm zurückgekommen sind?

Glück: Naiv nicht. Immer voll Hoffnung, ja, dass er sich ändert.

Morgenpost Online: Er hat sie geliebt?

Glück: Ja, bestimmt.

Morgenpost Online: Warum haben Sie keine Kinder?

Glück: Ich kann keine Kinder bekommen. Das hat der Schöpfer nicht vorgesehen.

Morgenpost Online: Hatte er damit ein Problem?

Glück: Nein, Kinder bekam er später von seiner Zweit-Ehefrau, die er in Bosnien kennenlernte.

Morgenpost Online: Sie waren damit einverstanden?

Glück: Das musste ich. Wir waren wie eine große Familie. Reda blieb neutral. Sie tat mir aber leid, weil sie nur die Zeugungsmaschine war.

Morgenpost Online: Warum dann die Trennung?

Glück: Als wir gemeinsam nach Saudi-Arabien gingen, wollte er die Scheidung, damit auch die andere Ehefrau seinen Namen annehmen konnte. Dann zeigte er mir auch noch ein Video über Jakarta. Das sei das neue Dschihad-Gebiet, sagte er. Ich nahm meinen Pass und ging nach Hause. Das Ende.

Morgenpost Online: Was denken Sie heute über Reda?

Glück: Andere Leute sagen, er war immer ein Schläfer. Für mich sah er lange so aus wie Omar Sharif.