König-Fahd-Akademie

Saudis wollen neue Schule in Berlin gründen

Mit höchster Diskretion verhandelt das Königreich Saudi-Arabien mit dem Berliner Senat um ein Gebäude, in dem es eine große Schule einrichten möchte. Der Ableger der Bonner König-Fahd-Akademie soll Platz für 400 Kinder bieten. Ein höchst sensibles Thema. Schließlich wurden der Akademie bereits einmal islamistische Tendenzen vorgeworfen.

Das Königreich Saudi-Arabien möchte in Berlin eine große und repräsentative Schule einrichten. Nach Informationen von Morgenpost Online verhandelt die saudische Botschaft mit dem Liegenschaftsfonds über den Kauf einer ehemaligen Kindertagesstätte an der Glockenturmstraße 23–25 im Charlottenburger Ortsteil Westend. Behördenvertreter aus dem Bezirk bestätigten entsprechende Bestrebungen. Vom Liegenschaftsfonds, der im Auftrag des Landes überzählige Immobilien vermarktet, heißt es wie üblich: „Kein Kommentar zu laufenden Geschäften.“

Die Pläne der Saudis für eine König-Fahd-Akademie in der Nähe des Olympiastadions sehen einen Ausbau auf mehr als 400 Schüler vor. Als Kaufpreis für die Immobilie aus den 70er-Jahren sind dem Vernehmen nach fünf Millionen Euro vorgesehen. Das Grundstück mit mehr als 9000 Quadratmetern und das Gebäude mit mehr als 6000 Quadratmetern Nutzfläche, das als Kinderheim und Kita genutzt worden war, böte den Saudis gute Voraussetzungen.

Die Botschaft sucht ein bestehendes Schul- oder Bildungsgebäude in einer stillen Nebenstraße in hochwertiger Gegend, eine große Freifläche sowie einen Standort entweder in der Nähe der Botschaft an der Tiergartenstraße oder im Bezirk Spandau. Die Glockenturmstraße liegt einen Steinwurf von der Bezirksgrenze zwischen Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau entfernt. Die Botschaft des konservativen Königreiches wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Das Thema ist sensibel, weil es vor einigen Jahren erheblichen Ärger um islamistische Tendenzen an der König-Fahd-Akademie in Bonn gab. 2003 wurde in der Moschee der Akademie in Bonn-Mehlem offen zum Heiligen Krieg aufgerufen. In saudi-arabischen Schulbüchern, die die Behörden daraufhin übersetzen ließen, wurde unter anderem Gewalt verherrlicht und antijüdische und antiwestliche Weltsicht verbreitet.

Diplomatenkinder bislang an Charlottenburger Schule

Bisher betreiben die Saudis am Fürstenbrunner Weg in Charlottenburg eine kleinere Schule. Diese besuchen im Wesentlichen Diplomatenkinder oder Sprösslinge von Geschäftsleuten oder Ärzten, die sich nur eine bestimmte Zeit in Deutschland aufhalten. Die König-Fahd-Akademie gilt derzeit in Berlin als sogenannte Ergänzungsschule. In Deutschland ist schulpflichtigen Kindern der Besuch der Einrichtung nur mit Ausnahmegenehmigungen gestattet.

Die Größe der nun angestrebten Einrichtung mit einem Raumangebot für mehr als 400 Schüler nährt bei eingeweihten Beobachtern den Verdacht, die Saudis könnten eben nicht nur eine Diplomatenschule anstreben, sondern eine öffentliche Schule in freier Trägerschaft einrichten wollen. Aus der Senatsschulverwaltung hieß es jedoch, es liege noch keine Anfrage der Saudis für eine staatlich genehmigte Privatschule vor.

Nach den Erfahrungen mit der König-Fahd-Akademie in Bonn dürfte es für die Schule aus dem konservativen Wahabiten-Königreich schwierig werden. Nachdem die Lerninhalte in den saudischen Schulbüchern vor sechs Jahren öffentlich geworden sind, lassen die Schulbehörden in Nordrhein-Westfalen die Schule allmählich austrocknen. Eine Schließung, wie sie die Bezirksregierung ursprünglich vorhatte, wurde auf Druck des diplomatische Verwicklungen mit dem ölreichen Königreich fürchtenden Auswärtigen Amtes vermieden.

Vor vier Jahren besuchten noch rund 500 Schüler die Akademie, zuletzt sollen es nur noch wenig mehr als 100 sein. Nach der Gründung der König-Fahd-Akademie in Bonn hatten die Behörden zunächst großzügig Ausnahmegenehmigungen erteilt und damit auch in Deutschland schulpflichtigen Kindern erlaubt, die Schule zu besuchen. Diese Praxis ist jetzt gestoppt, auch die arabischen Kinder besuchen jetzt in Bonn benachbarte öffentliche Schulen.

In Berlin verweigerten sich Gerichte, als Eltern ihre Kinder auf die König-Fahd-Akademie schicken wollten. 2005 wiesen Verwaltungsrichter in zwei getrennten Verfahren die Anträge einer libanesisch-palästinensischen und einer deutsch-jordanischen Familie zurück. Sie wollten ihre Kinder von der allgemeinen Schulpflicht befreien lassen.

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