Wahlarena

Kanzlerin Merkel erklärt im Fernsehen ihre Politik

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Mariam Lau

Foto: AP

Wenn der Wähler Fragen stellt, kann das für so manchen Politiker durchaus unangenehm werden. Nicht so für Angela Merkel. Die Kanzlerin fand in der ARD auf jede Frage eine zufriedenstellende Antwort. Nur einmal verhaspelte sie sich. Und das ausgerechnet bei der FDP.

Wild zusammengewürfelt von Infratest dimap fand sich ein Publikum aus Rentnern, Schlossern, Anwältinnen, Unternehmern – die ganze schillernde Bundesrepublik also. Niemand gab sich feindselig; devot war man aber auch nicht.

Von Oben sah das Ganze wirklich bedrohlich aus: die Bundeskanzlerin mutterseelenallein an einem durchsichtigen Glastischchen, in drei Metern Abstand die beiden Moderatoren, Jörg Schönenborn und Andreas Cichowicz, und drumherum das Publikum. „Normalerweise finden hier Karnevalssitzungen statt“, erläutert Schönenborn gleich zu Beginn, aber derzeit ist niemandem so recht nach Gaudi. Fast alle Fragen drehten sich in irgendeiner Form um staatliche Leistungen. „Warum kann ich meinen PKW absetzen, meine Kinderbetreuung aber nicht“, fragte die Anwältin freundlich lächelnd; „warum lassen Sie es zu, dass immer Jobs in Zeitarbeit umgewandelt werden?“, „werden Sie nicht doch mit der FDP den Kündigungsschutz schleifen?“

Die Kanzlerin erklärte, was das Zeug hält. Um mit dem letzten anzufangen: Nein, mit ihr werde es keine Änderung des Kündigungsschutzes geben – nicht zuletzt, weil die Gewerkschaften und Arbeitnehmer so engagiert neue betriebliche Bündnisse eingeführt hätten, die genügend Flexibilität herstellten – man brauche den Kündigungsschutz gar nicht mehr zu lockern. Und was die Zeitarbeit betrifft: man habe eben auf die Flexibilisierung gesetzt, und häufig würden ja auch feste Jobs draus. Die Strategie: bloß keine falsche Beruhigung, keine Phrasen, immer hart an der Sache, „no bullshit“.

Die Leute freuten sich, ernst genommen zu werden – ein mittelständischer Unternehmer fachsimpelte mit der Kanzlerin über die Kreditklemme, und für ein paar Minuten standen dann da einfach zwei Bundesbürger und debattierten ein Dilemma, das alle trifft. Auf die Vorhaltungen einer Verkäuferin von Karstadt teilte Merkel ein weiteres Mal ihre Wut auf einen Vorstandschef, der sich für fünf verfehlte Jahre nun 15 Millionen Euro ausbezahlen lasse.

All das war echt, ohne peinliche Pirouetten, authentisch, aber auch ohne echte Höhepunkte. Man ließ so die Gedanken schweifen. Schröder oder Kohl hätten sich einer solchen Sache niemals ausgesetzt.

Erst als ein Soldat aus Afghanistan sprach (der den Einsatz dort noch immer begrüßt), geriet die Kanzlerin ins Schlingern: die Sicherheitskräfte müssten dringend gestärkt werden, so dass man die ganze Sache bald in afghanische Hände legen könne. Gewiss, aber davon ist seit Jahren die Rede. Unter ihrer Kanzlerschaft, mit zwei Besuchen in Afghanistan, hat sich daran nichts geändert.

Der einzige echte Patzer unterlief der Kanzlerin aber bei einer Frage nach der Grossen Koalition: „Das muss für eine Demokratie der Ausnahmefall bleiben. Es stärkt die kleinen Parteien. Deshalb wollen wir jetzt mit der FDP zusammengehen.“ Aha. Mit der FDP zusammengehen, um sie klein zu halten. Verstehe.

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