Die CDU ist nervös. War der Wahlkampf zu seicht, zu reaktiv oder gar zu feige? Muss die Kanzlerin aus der Deckung kommen, wie man es auf allen Kanälen hört? Die Wahrheit ist: Es gibt für die CDU überhaupt keinen Grund, jetzt hektisch die Richtung zu ändern. Ihre bisherige Strategie bestand darin, sich an dem messen zu lassen, was man bisher erreichte – in der Krise und davor. Da mag viel Kritikwürdiges beschlossen worden sein; beschämend, dass man sich verstecken müsste, ist es nicht.

Aus ihren Vorstellungen hat sie auch keinen Hehl gemacht: Nicht nur liegt seit Wochen ein 94-seitiges Regierungsprogramm vor, in dem von der „Kalten Progression“ bis zum Spitzensteuersatz neben vielen Floskeln auch konkrete Hausnummern stehen, an denen sich jeder abarbeiten kann. Die Parteivorsitzende mag rhetorisch nicht an Winston Churchill heranreichen. Aus ihren Ansichten zu Mindestlöhnen, Boni-Zahlungen oder Kündigungsschutz hat sie kein Geheimnis gemacht, auf all den Marktplätzen und Stadthallen landauf und -ab, auf denen sie sich derzeit versteckt hält. Gegen Steinmeier poltern wie weiland Kanzlerkandidat Edmund Stoiber gegen Schröder wird sie nicht; aber das war ja auch nicht so sehr erfolgreich.

Das Saarland soll nun das Menetekel sein, aus dem für Einzelne (sehr wenige) in der Union folgt, man solle sich auf einen Rote-Socken-Wahlkampf einschießen. Abgesehen davon, dass die Wahl des Ex-Blockpartei-Mannes Stanislaw Tillich zum einzig siegreichen Ministerpräsidenten eine andere Sprache spricht: Das Saarland ist, bei aller Liebe, einfach zu klein, um seinetwegen die Strategie zu ändern. Obendrein bietet sich hier die Chance, ganz nüchtern Jamaika auszuprobieren. (Die Grünen werden es nicht machen, aber dass die CDU dazu bereit ist, schadet ihr für den Bundestagswahlkampf keineswegs.)

Jedenfalls deutet alles darauf hin, dass der augenrollende Verweis auf die SED-Diktatur oder die Zwangsvereinigung SPD-KPD den meisten Leuten herzlich egal ist. Sich darauf zu kaprizieren hat die CDU nicht nötig.