Desaströse Umfrage

Wilhelm spielt den Absturz der Union herunter

"Umfragen sind flüchtig", so Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Er hält eine Trendwende in der Wählerstimmung für möglich .

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Die Bundesregierung setzt angesichts der schlechten Umfragewerte von Union und FDP auf eine Trendwende in der Stimmung der Bevölkerung. „Umfragen sind flüchtig, hinken auch meistens der tatsächlichen Entwicklung hinterher“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

„Wenn die tatsächliche Entwicklung schon wieder deutlich besser ist, dann zeigt sich das erst an den Umfragen in einigen Wochen.“ Indirekt verwies Wilhelm in seiner letzten Bundespressekonferenz auf die wieder anziehende Konjunktur und die Erholung auf dem Arbeitsmarkt.

Wilhelm räumte ein, dass der Koalitionszwist der vergangenen Monate ein Grund für das Umfragetief sein könnte: „Dass (...) auch der Eindruck vielleicht da und dort besteht, dass man über zentrale Fragen nicht so einig ist, wie man's tatsächlich ist, das mag zu den Umfragen beitragen.“

Er sehe in der Sache aber keinen Grund zur Beunruhigung. „Ich denke, dass die größte gestellte Aufgabe war und ist, dass man die Folgen dieser größten Wirtschafts- und Finanzkrise seit 60 Jahren bewältigt. Hier ist die Bundeskanzlerin durchaus auch mit Blick auf das Erreichte und die Erfolge der Auffassung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Die Union war im Forsa-Wahltrend für das Magazin „Stern“ und RTL erstmals seit 2000 unter die 30-Prozent-Marke gefallen. Die FDP blieb mit 5 Prozent schwach. SPD und Grüne hätten damit weiter eine absolute Mehrheit.

Es war zugleich der letzte Auftritt Wilhelms Regierungssprecher. Im Februar kommenden Jahres wird er neuer Intendant des Bayerischen Rundfunks. Der 49-Jährige dankte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine „sehr gute, sehr enge Zusammenarbeit“, die menschlich hervorragend gewesen sei. Zugleich bedankte er sich in der Bundespressekonferenz für die Zusammenarbeit mit den Parlamentsjournalisten. „Viele von Ihnen haben mich natürlich auch bis in den letzten Winkel verfolgt mit immer neuen Nachfragen.“ Dies halte er journalistisch für gut. Sein Nachfolger wird im August der frühere ZDF-Moderator Steffen Seibert.