In der Dienstwagen-Affäre bekommt Gesundheitsministerin Ulla Schmidt unerwarteten Beistand. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann bezeichnet die Debatte über die Schmidts Autofahrten als „verlogen“. „Jeder nimmt doch heute, wo er kann, zeigt dann aber gern mit dem Finger auf andere - in Wahlkampfzeiten natürlich besonders intensiv“, sagte Lehmann der „Frankfurter Rundschau“.
Schmidts sachlicher Arbeit könne man „ja sehr wohl Respekt entgegenbringen“, fügte Lehmann hinzu. Darum sei es nicht sein Ding, ihr nachträglich „vors Schienbein zu treten“. Schmidt hatte ihren Dienstwagen wiederholt auch im Urlaub genutzt. Zuletzt musste ein Chauffeur den Wagen von Berlin nach Spanien fahren, damit sie dort während des Urlaubs mit der Limousine dienstliche Termine wahrnehmen konnte.
Unabhängig von der Dienstwagen-Debatte kündigte Kardinal Lehmann einen Aufruf der deutschen katholischen Bischöfe zur Bundestagswahl an. „Wenn wir dieses Instrument einmal aus der Hand geben, können wir es nie wieder aufgreifen“, sagte Lehmann. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehörten der Lebensschutz und die Bioethik. Mit Blick auf die Linkspartei kritisierte er die „nach wie vor ungeklärte Programmatik der Partei“ und die aus seiner Sicht „immer noch ungenügend vollzogene Trennung von der SED-Vergangenheit. Außerdem gebe es “grundlegende Unklarheiten im Blick auf die Kirche“.
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