Afghanistan

Niebel fordert mehr Rückhalt für deutsche Soldaten

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Foto: dpa

Dirk Niebel fordert von der Bevölkerung mehr Rückhalt für den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Die schweren Gefechte am Karfreitag hätten gezeigt, wie gefährlich die Situation für die Soldaten sei, sagte der Entwicklungshilfeminister. Heute wird Niebel die Särge der getöteten deutschen Soldaten in die Heimat überführen.

Zwei Tage nach den blutigen Gefechten von Kundus haben die Bundeswehrsoldaten Abschied von ihren drei getöteten Kameraden genommen. Im Feldlager der nordafghanischen Provinz erwiesen sie den zwischen 25 und 35 Jahre alten Fallschirmjägern aus Niedersachsen die letzte Ehre.

„Wir haben alle gehofft, dass wir diesen Tag niemals erleben müssen“, sagte der Isaf-Kommandeur für Nordafghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger. „Die Hoffnung wurde am 2. April jäh zerstört“. Leidenberger gedachte auch der versehentlich von der Bundeswehr getöteten afghanischen Soldaten und entschuldigte sich bei deren Angehörigen. Erstmals räumte er ein, das sechs Afghanen getötet wurden. Bisher hatte die Bundeswehr von fünf Toten gesprochen.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel sprach den Soldaten in Kundus die Anteilnahme der Bundesregierung aus. Er hatte seine Afghanistan-Reise um einen Tag verlängert, um an der Trauerfeier teilnehmen zu können. „Die deutschen Soldaten lassen sich durch noch so heimtückische Gewalt nicht beeinflussen“, sagte der FDP-Politiker. „Mit unseren Alliierten werden wir den Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan für ein friedliches, stabiles und sicheres Land fortsetzen.“

Das Gefecht habe gezeigt, wie gefährlich die Situation für unsere Soldaten ist, sagte Niebel der „Bild am Sonntag“. „Sie wünschen sich mehr Verständnis dafür, dass sie sich, manchmal auch präventiv, wehren müssen. Und sie verstehen nicht, wenn sie sich dafür in der deutschen Öffentlichkeit rechtfertigen müssen oder sogar strafrechtlich verfolgt werden.“

Am Karfreitag waren die drei Soldaten bei stundenlangen Gefechten zwischen der Bundeswehr und den radikal-islamischen Taliban nahe Kundus erschossen worden. Acht weitere deutsche Soldaten wurden verletzt. Vier von ihnen wurden am Samstag in die Heimat geflogen und zur Behandlung ins Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz gebracht.

Die Trauerfeier fand auf dem Appellplatz statt, von wo aus die Bundeswehrpatrouillen in den Einsatz fahren. Dort befindet sich auch ein Ehrenhain für alle im Einsatz gefallenen Bundeswehrsoldaten. Die Särge mit den Leichen der drei Soldaten wurden in „Fuchs“- Transportpanzern auf den Platz gefahren, wo sich mehrere hundert Soldaten versammelt hatten.

Noch am Sonntag sollten die Särge mit Hubschraubern und einem Militärflugzeug zunächst über Masar-i-Sharif in das usbekische Termes gebracht werden. Von dort sollten sie im Airbus der Delegation von Entwicklungsminister Niebel nach Deutschland gebracht werden.

Leidenberger betonte, dass die Bundeswehr ihren Auftrag in Afghanistan unverändert fortsetzen werde. „Wir geben nicht klein bei, wir werden weiter kämpfen und wir werden gewinnen“, sagte er.

Ziel sei es, dass die Menschen in Afghanistan ohne Angst leben können. „Das wird uns auch gelingen, aber wir brauchen dafür Kraft und Stehvermögen und die Unterstützung der Heimat.“

( dpa/Reuters/fas )

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