Kundus

Tote Afghanen – Gouverneur klagt Deutsche an

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: dpa

Der Gouverneur der Provinz Kundus hat die Bundeswehr nach der Tötung mehrerer afghanischer Soldaten scharf kritisiert. Die Opfer seien vermeidbar gewesen, die Bundeswehrsoldaten hätten ihre afghanischen Kameraden erkennen müssen. Taliban drohen den Deutschen nach den Gefechten am Freitag mit neuer Gewalt.

Der Gouverneur der afghanischen Provinz Kundus, Mohammed Omar, hat die Bundeswehr wegen der versehentlichen Tötung afghanischer Soldaten kritisiert. Omar sagte SPIEGEL ONLINE, die Tode seien vermeidbar gewesen. "Die Fahrzeuge mit den Soldaten waren leicht zu erkennen, es handelte sich um zwei Ford Ranger mit auf der Ladefläche befestigten Waffen", sagte Omar. "Diese Autos kennt doch jeder."

Zudem hätten die Deutschen laut seinen Informationen weder Warnzeichen oder Schüsse abgegeben. "Es war ein tragischer Fehler", sagte Omar. Die Deutschen hätten sich bei einem Treffen mit ihm und der Armee entschuldigt, die Afghanen hätten die Geste der Bundeswehr akzeptiert. "Trotzdem muss die Bundeswehr vorsichtiger sein, wenn sie das Feuer eröffnet", mahnte Omar.

Auch aus der afghanischen Armee kam Kritik an der Bundeswehr. Der Kommandeur der Armee-Einheiten in Nordafghanistan äußerte Verständnis für die Bundeswehr, forderte jedoch detaillierte Ermittlungen.

Murad Ali Murad, General des 209. Armeecorps, sagte SPIEGEL ONLINE, er habe den Tatort selbst besichtigt. "Im ersten Ranger wurden fünf Soldaten getötet, hinten auf dem zweiten lag eine weitere Leiche", so der Offizier.

Für Murad, der gemeinsam mit den deutschen schon mehrere Operationen im Norden geführt hat, ist der Fehler der Bundeswehr nur durch die angespannte Lage zu erklären. "Die Deutschen waren sehr nervös wegen der Gefechte am gleichen Tag, deswegen haben sie wohl überreagiert", sagte der Armeegeneral.

Sollte sich aber bei einer Untersuchung herausstellen, dass fahrlässig gehandelt wurde, müssten die Deutschen bestraft werden, forderte Murad. Falls sie gesehen hätten, dass es sich um Armee-Wagen handelte, müssten sie „vom Militär diszipliniert werden", so der General.

Der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak will noch am Wochenende ein Ermittlungsteam nach Kundus entsenden, das den Vorfall untersuchen soll. Die Armeefahrzeuge seien eindeutig zu erkennen gewesen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Der Zwischenfall steht im Zusammenhang mit einem Gefecht zwischen Bundeswehrsoldaten und Taliban. Etwa 100 Taliban-Kämpfer hatten den Bundeswehrkonvoi am Karfreitag im der nördlichen Provinz Kundus angegriffen. Bei den anschließenden Gefechten, den bislang schwersten Kämpfen der Bundeswehr in Afghanistan, waren drei deutsche Soldaten getötet und acht verletzt worden.

Die Taliban drohen jetzt damit, die deutschen Einheiten verstärkt ins Visier zu nehmen. „Sollten die Deutschen weiterhin in Afghanistan bleiben, werden sie weitere Todesopfer erleiden“, sagte Sabiullah Mudschahid, ein Sprecher der Taliban. Die Taliban hätten die Bundesregierung und den Bundestag gewarnt, sie sollten die Bundeswehr aus Afghanistan abziehen, sagte Mudschahid, der sich von einem unbekannten Ort aus telefonisch äußerte. „Aber sie haben nicht gehört.“

„Wir haben kein Problem mit Deutschland. Afghanistan und Deutschland haben historische Beziehungen. Deshalb sollte Deutschland Afghanistan weiter helfen und damit aufhören, die Invasionstruppen zu unterstützen“, erklärte er in Mudschahid auf den Sturz des Taliban-Regimes nach dem Einmarsch des US-Militärs Ende 2001.

( cn )

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos