Sechs Jahre Grundschule – die Reform, über die Hamburg sich streitet, ist in Berlin und Brandenburg bereits Realität. Aber auch in der Hauptstadt wird das Schulsystem derzeit komplett umgestellt – und zwar ganz ähnlich wie in der Hansestadt. Zum kommenden Schuljahr werden Haupt-, Real- und Gesamtschulen abgeschafft. Diese Schulformen gehen alle in der integrierten Sekundarschule auf – in Hamburg hätte das die sogenannte Stadtteilschule sein sollen. Grundschüler in Berlin müssen sich künftig zwischen dem Gymnasium und der Sekundarschule als weiterführenden Schulen entscheiden. Beide Schularten führen bis zum Abitur.

An den Sekundarschulen sind alle Abschlüsse möglich: Je nach Leistungsstand können die Schüler den mittleren Schulabschluss (vorher Realschulabschluss), die Berufsbildungsreife (Hauptschulabschluss) oder die erweiterte Berufsbildungsreife machen. Mit sehr guten Noten besteht die Möglichkeit, in die gymnasiale Oberstufe zu wechseln. Während die Gymnasiasten nach zwölf Jahren ihr Abitur ablegen, haben die Sekundarschüler 13 Jahre Zeit. Auch hier gleichen sich die Hamburger und die Berliner Schulreform.

Ein besonderer Schwerpunkt an den neuen Sekundarschulen ist das Konzept des dualen Lernens. Das bedeutet, dass die Schüler nicht nur in der Schule lernen, sondern auch in Werkstätten oder Betrieben erste Erfahrungen mit dem Berufsleben machen sollen. Bis zu drei Tage pro Woche können die Schüler in Geschäften, Krankenhäusern oder bei Ausbildungsbetrieben tätig sein. Ziel ist es, ihnen schon während der Schulzeit eine möglichst genaue Idee von der Arbeitswelt und von ihren eigenen Stärken und Neigungen zu geben. Damit soll den Schülern die Berufswahl erleichtert werden.

Mit der Umsetzung der Schulreform werden zum 1. August 111 integrierte Sekundarschulen sowie Gemeinschaftsschulen ihre Arbeit aufnehmen. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) wertete es jetzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp als „großen Erfolg“, dass bei solch einem Systemwechsel fast alle Schulen mitmachen. Lediglich fünf Realschulen und vier Gesamtschulen hätten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Umstellung erst ein Jahr später vorzunehmen. Zöllner betonte, dass alle integrierten Sekundarschulen nun ein Ganztagsangebot unterbreiten sollen. Berlin sei damit das erste Bundesland, das im Bereich der am stärksten frequentierten weiterführenden Schulform ein flächendeckendes Ganztagsangebot realisiere. Auch das Angebot an Ganztagsgymnasien werde ausgebaut.

Zur Debatte über die Schulreform sagte der Bildungssenator, nach einer langen Diskussion sei eine „breite Zustimmung“ erreicht worden. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der Schule. Ziel der Reform sei es, Unterricht und Leistungsfähigkeit zu verbessern. Er gehe davon aus, dass auch eine bessere individuelle Förderung der Schüler ermöglicht werde.

Zuletzt hatte der anstehende Systemwechsel wegen des dadurch entstehenden Lehrermangels Schlagzeilen gemacht. Mit der Umsetzung der Schulreform wird in jedem Bezirk ein Ganztagsgymnasium geschaffen. Der Unterricht wird von 8 bis 16 Uhr laufen. Für die Betreuung der Schüler in Fördergruppen und in der Freizeit werden zusätzliche Lehrer gebraucht. Außerdem erhöht sich der Lehrerbedarf, weil sich zum nächsten Schuljahr bei vielen Gymnasien mehr Schüler angemeldet haben als sonst.

BMO