Es gibt eine Szene, die bereits kurz nach der verheerenden Wahlniederlage der CDU in Nordrhein-Westfalen für einen Neuanfang stehen könnte: Sie entstand am späten Abend des 9. Mai, wenige Stunden nach der Landtagswahl, bei der Jürgen Rüttgers’ Partei Rekordeinbußen von über zehn Prozentpunkten hinnehmen musste.
In der CDU-Landesgeschäftstelle erschienen Bundesumweltminister Norbert Röttgen, NRW-Integrationsminister Armin Laschet und der Generalsekretär der NRW-CDU, Andreas Krautscheid, auf der Terrasse und sprachen lange miteinander. Rund sechs Wochen nach dem Wahlabend hat Jürgen Rüttgers nun auf Drängen der Partei angekündigt, dass er auf den Fraktionsvorsitz im Landtag verzichtet und bei der Ministerpräsidentenwahl nicht gegen SPD-Landeschefin Hannelore Kraft antritt. Die drei Politiker sind neben Norbert Röttgen nun potenzielle Nachfolger.
Die CDU in Nordrhein-Westfalen stellt sich auf ihre neue Rolle als Oppositionspartei ein. Die Landtagsfraktion muss noch das Verfahren festlegen, wie sie ihren neuen Chef wählt. Bislang ist der Posten nur kommissarisch besetzt - mit dem Wirtschaftsexperten Christian Weisbrich. Der 68-Jährige musste einspringen, weil sich die „Schwergewichte“ in der NRW-CDU noch Hoffnung machen konnten, ihren Stuhl im Landeskabinett zu behalten.
Doch inzwischen ist absehbar, dass Schwarz-Gelb von einer rot- grünen Minderheitsregierung abgelöst wird. Da der geschäftsführende Ministerpräsident Jürgen Rüttgers nicht Oppositionsführer werden will, ist der Wettbewerb um das attraktivste Amt eröffnet, das die NRW-CDU derzeit zu besetzen hat. Gewählt werden soll der neue Fraktionschef am 6. Juli.
Mögliche Kandidaten sind Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Integrationsminister Armin Laschet, Norbert Röttgen und der Generalsekretär des CDU- Landesverbands Andreas Krautscheid. Einen Favoriten gibt es nicht – auch weil Rüttgers nach seinem Amtsantritt als Regierungschef vor fünf Jahren keinen „Kronprinzen" aufgebaut hat.
Wer hat die besten Chancen?
dpa





