Der Kandidat von SPD und Grünen für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, hat der schwarz-gelben Koalition eine Politik der sozialen Ungerechtigkeit vorgeworfen. Wenn den Empfängern staatlicher Leistungen das Heizgeld gestrichen würde, und die mit hohen Einkommen müssten nichts abgeben, „dann ist das ungerecht“, sagte Gauck der „Frankfurter Rundschau“. Auf die Frage, ob er selbst bereit sei, mehr Steuern zu bezahlen, sagte Gauck: „Ungern, aber ohne zu klagen.“ Er stellte weiter klar, dass die deutsche Gesellschaft insgesamt aus seiner Sicht gerecht sei.

Gauck kündigte an, er wolle sowohl um Stimmen im konservativen Lager als auch bei den Linken werben. Beide hätten Grund ihn zu wählen. Die Konservativen, weil auch er „zu Teilen ein konservativer Mensch“ sei, die Freiheit liebe und die Selbstverantwortung, sagte er der „FR“. Es gebe aber auch „Überschneidungen meiner Botschaft mit Teilen der Linkspartei“, denn „die Aufgeklärten unter ihnen“ träten wie er für das europäische Demokratieprojekt ein, kämpften für starke Gewerkschaften und sorgten sich darüber, „dass sozial schwache Menschen keine Chance auf Bildung und Mitwirkung bekommen“. Allerdings gebe es in der Linken auch immer noch Personen, die das alte DDR-System als fortschrittlich verkaufen wollten.

Unterdessen hat der Linkspartei-Landeschef aus Sachsen-Anhalt, Matthias Höhn, Gauck gegen Angriffe des Ex-Vorsitzenden Oskar Lafontaine in Schutz genommen. Es handele sich um obskure Vorwürfe gegen Gauck, sagte Höhn. Lafontaine hatte in einem Interview mit dem "Stern" behauptet, Gauck habe in der DDR Privilegien erhalten. Er halte das "für eine Form der Auseinandersetzung, die man nicht pflegen sollte", sagte Höhn.

Gauck ist einer von vier Bewerbern für die Nachfolge des zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler. Für Union und FDP tritt Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) an, für die Linke die Bundestagsabgeordnete Luc Jochimsen. Auch die rechte NPD schickt einen Kandidaten bei der Bundesversammlung am 30. Juni ins Rennen. Dort gibt es eine Mehrheit für Wulff. Allerdings haben bereits drei sächsische Wahlmänner der FDP angekündigt, für Gauck stimmen zu wollen.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte dazu der „Leipziger Volkszeitung“, dies gefährde die schwarz-gelbe Koalition in seinem Land nicht. „Ich sehe das eher als ein Problem des FDP-Bundesvorsitzenden (Guido Westerwelle), die Zusagen der FDP einzuhalten.“ Darüber hinaus würde im Falle eines Sieges von Gauck das Image des Freistaats Schaden nehmen. „Auf das Verhältnis des Bundes zu Sachsen könnte es nachteilige Auswirkungen geben.“

dpa/AFP/pku