Die neun im Jemen entführten Ausländer, darunter eine fünfköpfige deutsche Familie sowie zwei weitere Deutsche, sind nach Informationen der Nachrichtenagentur AP tot aufgefunden worden. Nachdem zunächst die Leichen von drei deutschen Frauen entdeckt worden seien, seien später noch sechs weitere Tote gefunden worden, meldete AP unter Berufung auf jemenitische Sicherheitskreise.

Die Agentur dpa meldete hingegen unter Berufung auf jemenitische Beamte, dass zwei kleine Mädchen lebend und unverletzt aufgefunden worden seien und vier Menschen weiterhin vermisst würden.

Die Bundesregierung konnte die Angaben zunächst nicht bestätigen. Es wäre der mit Abstand blutigste Ausgang einer Entführung von Deutschen im Ausland seit Jahren.

Bei den Opfern handelt es sich nach früheren Angaben um einen deutschen Arzt, seine Frau und seine drei Kinder sowie um zwei weitere Deutsche, einen britischen Ingenieur und dessen südkoreanische Frau. Die Erwachsenen hätten alle im Auftrag der niederländischen Hilfsorganisation Worldwide Services in einer Klinik in der jemenitischen Region Saada gearbeitet. Sie wurden nach Angaben des jemenitischen Innenministeriums am Freitag während eines Picknicks in Saada entführt.

Aus den Sicherheitskreisen hieß es am Montag zunächst, Schafhirten hätten am Morgen nahe der Ortschaft El Naschur in Saada im Norden des Landes drei Leichen entdeckt. Bei den Opfern handelte es sich einigen Meldungen zufolge um die drei deutschen Frauen, anderen um zwei Deutsche und die Koreanerin. Sie seien mit Dolchen und Pistolen getötet worden.

Dass Ausländer im Jemen entführt werden, ist nicht ungewöhnlich. Erst am Freitag ließen Stammeskämpfer 24 einheimische und ausländische Helfer frei, die in einem von Saudi-Arabien finanzierten Krankenhaus arbeiteten und 24 Stunden zuvor entführt worden waren. Dass die Geiseln getötet werden, wie es jetzt offenbar geschehen ist, schon. „Das ist gerade im Jemen sehr, sehr ungewöhnlich und stellt alle vor ein Rätsel“, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Deutschen Orient-Instituts, Helene Rang.

Zu der Entführung hat sich hat sich bislang niemand bekannt. Die am Wochenende vom jemenitischen Innenministerium beschuldigte schiitische Rebellengruppe Abdulmalik al-Huthi erklärte, sie habe mit der Tat nichts zu tun. Die jemenitische Regierung äußerte sich am Montag nicht mehr öffentlich zu dem Fall. Ein Stammesführer in der Region sagte, hinter der Tat stehe das Terrornetzwerk al-Qaida.

In dem südarabischen Land gibt es zwar al-Qaida-Terrorzellen, die schon mehrfach Ausländer getötet hatten. Erst im März kamen im Jemen vier südkoreanische Touristen bei einem Selbstmordanschlag ums Leben, der Al Kaida zugeschrieben wurde.

In der mehrheitlich von Schiiten bewohnten Provinz Saada gab es allerdings bislang keine bekannte Präsenz der sunnitischen Terrorgruppe. Der Ort, an dem laut Sicherheitskräften die Leichen der deutschen Frauen gefunden wurden, liegt allerdings nicht weit von der Jawf-Region entfernt, in der die al-Qaida-Terroristen bereits untergetaucht waren.

Der äußerste Norden des Jemens ist seit Jahren für Ausländer tabu. Weder Touristen noch Entwicklungshelfer oder Journalisten erhalten Zugang zu dem zerklüfteten Gebirge zwischen Sanaa und der saudi-arabischen Grenze, seit dort ein kaum kontrollierbarer Bürgerkrieg mit schiitischen Rebellen herrscht. Nur wenige westliche Ausländer sind noch in der Region, die auch als Rückzugsgebiet extremistischer Sunniten gilt.

dpa/AP/AFP/ks