Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich erleichtert über die Freilassung der entführten deutschen Familie im Jemen geäußert. „Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut“, sagte Steinmeier. „Mein Dank gilt allen, die zur Freilassung beigetragen haben.“ Ganz besonders wolle er auch den jemenitischen Behörden danken, „die sich bis hin zum Präsidenten sehr für die Freilassung engagiert haben.“ Zu Einzelheiten der Befreiung und der Heimführung äußerte sich das Auswärtige Amt im Interesse der Betroffenen nicht.
Wie ein jemenitischer Stammesvertreter zur bekanntgab, wurden die Geiseln am Freitagmorgen nach Vermittlungsbemühungen mit einem Würdenträger des Stammes der Bani Dhabjan freigelassen, dem die Entführer angehören sollen.
Dem Verhandlungsführer der jemenitischen Regierung, Abdul-Kawi Obad, zufolge nahmen die drei Deutschen nach ihrer Freilassung ein Mittagessen im Haus des Verhandlungsführers ein. Sein Haus liegt in einem Dorf, das nicht weit von dem Ort entfernt sei, in dem die Familie aus Schleswig-Holstein gefangen gehalten worden war. Die Deutschen waren am vergangenen Sonntag während eines Ausfluges von fünf bewaffneten Angehörigen des Abu-Dhabian-Stammes verschleppt worden.
Der Anführer der Kidnapper, Abdu-Rahu Saleh al-Tam, hatte kurz vor der Freilassung erklärt, er habe die Deutschen an einen anderen Ort unweit ihres alten Verstecks gebracht, weil er eine Befreiungsaktion befürchte. Al-Tam hatte die Deutschen entführt, um die jemenitische Regierung zu zwingen, seinen Sohn und einen seiner Brüder freizulassen, die wegen einer früheren Entführung im Gefängnis sitzen.
Außerdem hatte er eine finanzielle Entschädigung für ein Grundstücksgeschäft gefordert, bei dem sich seine Familie übervorteilt gefühlt hatte. Aus Kreisen der Verhandlungsführer hieß es, die zwei Angehörigen von Al-Tam seien nicht freigelassen worden. Die Regierung habe den Kidnappern jedoch versprochen, sich binnen einer Woche noch einmal eingehend mit dem Fall zu befassen.
In den vergangenen 15 Jahren wurden im Jemen mehr als 200 Ausländer von unterschiedlichen Stämmen entführt. Oft geht es dabei um Auseinandersetzungen mit der Regierung. Die Entführungen endeten zumeist unblutig. Ende 2005 waren auch der deutsche Ex-Diplomat Jürgen Chrobog und dessen Familie entführt worden. Die Familie kam nach wenigen Tagen wieder frei.
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