Das jüngste Kind der im Jemen entführten deutschen Familie ist wahrscheinlich tot. „Wir müssen davon ausgehen, dass Simon nicht mehr lebt“, sagte der Schwager des entführten Familienvaters, Reinhard Pötschke. „Von den Eltern wissen wir nichts.“
Die Familie habe aus dem Auswärtigen Amt in Berlin die Nachricht erhalten, dass die beiden Mädchen befreit worden seien. Die Kinder sollen nach seinen Worten nun so schnell wie möglich zu ihren Verwandten nach Sachsen geholt werden.
Nach saudi-arabischen Angaben rettete eine Spezialeinheit aus Saudi-Arabien die zwei Töchter der im Jemen entführten deutschen Familie. Der Sprecher des Innenministeriums in Riad, General Mansur al-Turki, sagte: „Wir haben die beiden Mädchen gerettet.“ Er betonte: „Dies war eine Rettungsaktion auf der Basis von Geheimdienstinformationen, keine Befreiungsaktion.“
Zuvor war in mehreren Berichten von einer Befreiungsaktion die Rede gewesen. Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte in einer ersten Stellungnahme von einer Befreiung der Mädchen gesprochen.
Der Gesundheitszustand der Kinder sei den Umständen entsprechen gut, teilte al-Turki mit. Sie befänden sich derzeit in einem Krankenhaus in Saudi-Arabien.
Nach Angaben aus jemenitischen Stammeskreisen fanden die Saudis die Mädchen in einem Dorf im Bezirk Schadha in der Provinz Saada, nahe der saudischen Grenze. Über dem Gebiet seien Apache-Hubschrauber der saudischen Sicherheitskräfte gesichtet worden, hieß es.
Zum Schicksal der Eltern und des kleinen Bruders der Mädchen machte der Sprecher des Innenministeriums keine Angaben. Er sagte, dazu liefen derzeit noch Ermittlungen. Außenminister Westerwelle dankte den saudischen Sicherheitskräften für ihren Einsatz. Er erklärte zugleich, es werde weiterhin versucht, „endlich Klarheit auch in den Verbleib der übrigen Geiseln zu bringen“.
Die Familie aus Meschwitz bei Bautzen war am 12. Juni 2009 zusammen mit einem Briten, zwei deutschen Frauen und einer Südkoreanerin in der Provinz Saada, wo die Ausländer an einem Krankenhaus arbeiteten, entführt worden. Drei Tage später wurden die Leichen der beiden jungen Pflegehelferinnen aus Niedersachsen und der koreanischen Lehrerin entdeckt. Auch der Brite wird noch vermisst.
Die jemenitische Regierung hatte den schiitischen Houthi-Rebellen die Schuld für die Entführung gegeben. Die Führung der Rebellen hat jede Beteiligung an dem Verbrechen bestritten.
Mehrere Wochen nach der Entführung waren Videoaufnahmen aufgetaucht, auf denen die drei Kinder zu sehen waren: Der kleine Junge, der auf den Aufnahmen erschöpft gewirkt haben soll, war damals rund ein Jahr alt. Seine beiden Schwestern waren zu diesem Zeitpunkt drei und fünf Jahre alt.
dpa/AFP/cn



