Grenzkonflikt

Tote bei Gefechten zwischen Thai und Khmer

Der Grenzstreit zwischen Kambodscha und Thailand eskaliert. Bei Gefechten gab es Tote und Verletzte auf beiden Seiten. Die zwei Länder machen sich gegenseitig verantwortlich, Raketenwerfer eingesetzt zu haben. Auslöser für den erneuten Konflikt ist eine Entscheidung der Unesco.

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Bei erneuten Gefechten an der umkämpften Grenze zwischen Thailand und Kambodscha hat es auf beiden Seiten Tote gegeben. Bei „heftigen Schusswechseln“ seien zwei kambodschanische Soldaten ums Leben gekommen, sagte ein Sprecher der kambodschanischen Regierung in Phnom Penh. Auf thailändischer Seite wurden offiziellen Angaben zufolge zwei Soldaten getötet und 10 weitere verletzt.

Nach übereinstimmenden Mitteilungen aus Thailand und Kambodscha begannen die Gefechte am frühen Nachmittag (Ortszeit), nachdem es bereits zuvor kurze Schusswechsel gegeben habe. Beide Länder gaben der Gegenseite die Schuld für den ersten Zwischenfall. Die Truppen beschossen sich nach kambodschanischen Angaben daraufhin an mehreren Orten nahe des im Grenzgebiet liegenden Tempels Preah Vihear, den beide Länder für sich beanspruchen. Mitte Oktober waren dort bei Gefechten zwischen den Armee der beiden Länder bereits vier Soldaten getötet worden.

Bei den Gefechten seien neben Schusswaffen auch Granaten und Raketen eingesetzt worden, sagte ein an der Grenze stationierter kambodschanischer Soldat. Ein Kommandeur der kambodschanischen Armee sprach von einem Sieg seiner Truppen. Militärs beider Seiten verhandelten miteinander, um die Spannungen zu beruhigen.

Kambodschas Außenminister Koy Kuong warf der thailändischen Armee den „Versuch einer aggressiven Invasion“ vor und kündigte ein Protestschreiben an die Regierung in Bangkok an. Thailands Regierungschef Abhisit Vejjajiva zeigte sich zu einem Gespräch mit seinem kambodschanischen Kollegen Hun Sen bereit. Ursache für die Gefechte sei sicherlich ein „Missverständnis oder ein Unfall“. Er pochte jedoch auf Thailands Recht, „seine Souveränität“ zu verteidigen.

Die Spannung an der Grenze war in den vergangenen Tagen wieder gestiegen, nachdem Kambodscha Ende März den unerlaubten Grenzübertritt von rund hundert thailändischen Soldaten gemeldet hatte. Thailand wies die Vorwürfe zurück. Am Donnerstag trat ein thailändischer Soldat nahe des Tempels auf eine Mine und verlor dabei ein Bein.

Wegen des jahrzehntelangen Konflikts gibt es immer wieder Gefechte an der Grenze, deren Verlauf nie offiziell festgelegt wurde. Im Juli des vergangenen Jahres hatte sich die Lage verschärft, nachdem die Unesco den Tempel, dessen Haupteingang auf thailändischer Seite liegt, als kambodschanisches Gebäude auf die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen hatte – zum großen Ärger thailändischer Nationalisten. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied bereits 1962, dass die Ruinen von Preah Vihear zu Kambodscha gehören.