Chaos im Land des Lächelns: Drei Jahre lang protestieren in Thailand nun schon zwei politische Lager gegeneinander. Zuerst gingen die Gelbhemden für ihre Auffassung vom Wohl des Landes auf die Straße und legten das beliebte Touristenparadies lahm, jetzt die Massen in Rot. Mehrmals drohte die Situation in der Vergangenheit bereits zu kippen, das südostasiatische Königreich ins Chaos abzustürzen oder gar einen neuen Militärputsch zu riskieren, doch bisher waren die Thailänder immer gerade noch glimpflich davongekommen. Jetzt haben die Demonstranten wieder einmal eine Grenze überschritten. Und Thailands politische Krise hat ein Stück mehr ihrer Unschuld verloren.

Eine absurde Krise: Beide Gruppen, die Gegner des vor drei Jahren gestürzten Ex-Premiers Thaksin Shinawatra wie seine Anhänger, nennen sich Demokraten. Seine Gegner erzwangen den Sturz einer demokratisch gewählten Regierung, einfach nur, weil ihnen die Nasen der rechtmäßig Regierenden nicht passen. Seine Anhänger stellen nun willkürliche Forderungen, nehmen die Bevölkerung in tagelangen Blockaden als Geiseln und rufen zur Jagd auf den Premierminister auf. Alles ist erlaubt, so scheint die pseudo-demokratische Devise zu sein, solange man nur genügend Menschen auf die Beine stellt, die Recht und Ordnung außer Kraft setzen. Kein Zweifel, die junge thailändische Demokratie muß noch viel lernen.

Das Militär hält sich immer noch stoisch zurück. Keine Toten, hat Premierminister Abhisit geschworen. Die Situation darf nicht eskalieren. Immerhin, das Timing der Rothemden zeugt von einer gewissen Restvernunft. Thailand feiert gerade Songkran, das Neujahrsfest. Ein Großteil der Bevölkerung hat die Städte verlassen und feiert im Kreise der Familie auf dem Land. Es herrscht kein geschäftiger Alltag, den die Demonstranten mit ihren zugespitzten Aktionen stören. Das nimmt auch für die Armee ein wenig den Druck, sofort und mit Gewalt zu handeln.

Wenn die Rothemden, angestachelt von Thaksin, der per Telefon zur Revolution aufruft und fleißig Öl ins Feuer gießt, die Lage nicht weiter eskalieren lassen, wird es wohl auf Verhandlungen und eventuell Neuwahlen hinauslaufen.

Die würden zwar den Konflikt nicht aus der Welt schaffen, die Roten und die Gelben würden weiter mit den Köpfen gegeneinander rennen, doch die allgemeine Lust, die Nation bis haarscharf an den Abgrund zu treiben, wird mit jedem Mal weniger werden. Babyschritte auf dem langen Weg zu wahrer, funktionierender Demokratie.