Zwei Tage nach seiner öffentlichen Entschuldigung für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche ist Papst Benedikt XVI. mit Missbrauchsopfern zusammengetroffen. Kurz vor seiner Abreise aus Australien feierte der Papst am Montagmorgen mit vier Missbrauchsopfern die Messe, wie ein Vatikansprecher mitteilte. Anschließend hörte er ihre Erfahrungen an und sprach ihnen sein tiefes Mitgefühl für das erfahrene Leid aus.

Mit seiner „väterlichen Geste“ habe der Papst erneut seine tiefe Anteilnahme für alle Opfer sexuellen Missbrauchs zeigen wollen. Opfervertreter kritisierten, die Teilnehmer für das Treffen seien handverlesen gewesen.

Bei dem Treffen mit Missbrauchsopfern hörte sich der Papst nach Angaben des Vatikans die Leidensgeschichten der zwei Frauen und zwei Männer an und sprach ihnen Trost zu. Das einstündige Treffen habe in einer Atmosphäre von „Respekt, Spiritualität und intensiver Gefühle“ stattgefunden. Das Treffen stand nicht auf dem Programm und wurde erst bekannt gegeben, als der Papst den Ort der Messe, eine Kathedrale, bereits verlassen hatte.


Mit dem Treffen erfüllte Papst Benedikt eine der Hauptforderungen der Opferverbände. Die Opferorganisation Broken Rites kritisierte jedoch, die Teilnehmer an dem Treffen seien eigens nach Wohlverhalten ausgesucht worden: „Ich fürchte, sie haben Opfer ausgesucht, die mit der Linie der Kirche übereinstimmen“, sagte Sprecherin Chris MacIsaac. Stattdessen hätte sich der Papst mit Betroffenen treffen sollen, die den bisherigen Umgang der Kirche mit dem Missbrauchsthema nicht akzeptierten. „Opfer, die sich von der Kirche entrechtet fühlen, werden wieder einmal im Regen stehengelassen.“

Anthony Foster, der Vater zweier missbrauchter Mädchen, der in der Hoffnung auf ein Treffen mit dem Papst extra von Großbritannien nach Australien geflogen war, zeigte sich enttäuscht. Dass der Papst ihn nicht empfangen habe und Opfer-Aktivisten nicht im Vorfeld über das geplante Treffen mit Missbrauchsopfern informiert worden seien, zeige einen „Mangel an Mitgefühl“.

"Was für eine wunderbare Erfahrung dies war!“

Die Erzdiözese von Sydney erklärte, die Teilnehmer an dem Treffen am Montagmorgen seien von der für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zuständigen Kirchenkommission ausgewählt worden. Das Treffen des Heiligen Vaters mit Missbrauchsopfern zeige das Bemühen der Kirche „denjenigen Heilung und Gerechtigkeit zu bringen, die durch sexuellen Missbrauch so schrecklich verletzt wurden.“

Das erste Treffen dieser Art hatte im Frühjahr bei der Papstreise in die USA stattgefunden. Es galt als historischer Schritt für eine Versöhnung zwischen der Kirche und den Opfern. Viele Diözesen hatten die Skandale jahrelang vertuscht. Allein in Australien sind mehr als 100 Priester wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden.


Nach seinem Treffen mit den Missbrauchsopfern verabschiedete sich der Papst von den Freiwilligen des Weltjugendtages. Seine Maschine hob um 2.33 Uhr deutscher Zeit in Sydney ab. „Was für eine wunderbare Erfahrung dies war!“ sagte der Papst kurz vor der Abreise. „Eine Woche, die uns allen lange in Erinnerung bleiben wird.“

AFP/dpa/cn