Zum ersten Mal hat der Vatikan den Rücktritt eines Bischofs angenommen. Papst Benedikt XVI. akzeptierte das Gesuch des künftigen Präsidenten Paraguays, Fernando Lugo, von seinem Bischofsamt zurückzutreten. Der Apostolische Nuntius in Paraguay, Orlando Antonini, bestätigte, dass die katholische Kirche damit erstmals einen Geistlichen von einem solch hohen Amt befreie und in den Status eines Laien zurückversetze, berichtete die Tageszeitung „ABC“. Die Entscheidung aus Rom traf rechtzeitig vor dem Amtsantritt Lugos zum neuen Präsidenten am 15. August ein.
Damit endet ein seit Ende 2006 andauernder Streit zwischen Lugo (57) und dem Vatikan. Der frühere Bischof der Diözese San Pedro, einer der ärmsten Regionen des südamerikanischen Landes, trat im Dezember 2006 von seinem Amt zurück und bat den Vatikan, ihn in den Status eines Laien zu versetzen. Als kirchlicher Würdenträger durfte er laut der Verfassung von Paraguay nicht für ein politisches Amt kandidieren.
Der Papst befreite Lugo Anfang 2007 jedoch nur „a divinis“, das hieß, dass Lugo zwar weiterhin Geistlicher blieb, das Priesteramt aber nicht mehr ausüben durfte. Rechtsgelehrte der römisch-katholischen Kirche betonten, dass Lugo damit weiter formell im Bischoffsamt blieb. Die Suspendierung „a divinis“ genügte allerdings der Verfassung und machte den Weg für die Kandidatur frei.
Lugo gewann die Präsidentenwahl am 20. April klar gegen die Kandidatin der regierenden konservativen Colorado-Partei. Mit der Amtsübernahme durch Fernando Lugo endet die mehr als 61-jährige Herrschaft der Colorado-Partei in Paraguay.
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