Unter einem Heiliggeistmotto hat am Dienstag in Sydney der katholische Weltjugendtag begonnen. Mehr als 225.000 Pilger waren nach Angaben der Organisatoren in die australische Hafenmetropole gekommen, darunter junge Gläubige aus 170 Ländern. Zur Eröffnungsmesse unter freiem Himmel wurden am Nachmittag 150.000 Gläubige erwartet. Papst Benedikt ist auch in Sydney, doch erholt sich das Kirchenoberhaupt noch von der langen Anreise. Der Papst wird am Donnerstag offiziell im Hafen vor der Kulisse des weltberühmten Opernhauses begrüßt.
Einige tausend Pilger hatten in der kühlen Nacht vor der St. Mary- Kathedrale im Zentrum Sydneys ausgeharrt. Dort zeigte eine elektronische Uhr die Sekunden bis Mitternacht an. Als um Punkt zwölf Uhr als Begrüßung für die Pilger ein großes „G'day pilgrims!“ aufblinkte, brachen die jungen Leute in Jubel aus. Zehntausende umlagerten die Kathedrale schon am frühen am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein. In ihrem Gästehaus wohnt ab Donnerstag Papst Benedikt.
Das australische Bundesgericht hat am Dienstag ein Gesetz des Bundesstaates New South Wales aufgehoben, das Kritik an den Teilnehmern des katholischen Weltjugendtages und an der katholischen Kirche verbot. Das Gesetz hatte „störendes Benehmen“ während des am Dienstag beginnenden Weltjugendtages verboten. Danach hätte jeder festgenommen werden können, der die Pilger irgendwie „verärgert“, etwa durch provozierende T-Shirt-Aufschriften.
Das Parlament von New South Wales könne nicht wollen, dass das Grundrecht der freien Meinungsäußerung eingeschränkt werde, sagte das Bundesgericht zur Begründung. Ein Verkaufsverbot für provozierende T-Shirts ließ das Gericht allerdings gelten.
Missbrauchsopfer fordern weiter Treffen mit dem Papst
Die australische Interessenorganisation der Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester „Broken Rites“ fordert weiter direkte Gespräche von Papst Benedikt XVI. mit einigen Opfern. „Wir haben schon vor dem Weltjugendtag an den Vatikan geschrieben, aber bis heute keine Antwort enthalten“, sagte die Vorsitzende Chris McIsaac am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Sydney. Die Ankündigung des Papstes, sich während des Weltjugendtages für die den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester entschuldigen zu wollen, reiche nicht aus. Als Oberhaupt der Kirche solle er sich den Opfern auch direkt stellen.
Vatikansprecher Federico Lombardi hatte am Vortag erklärt, es sei offen, ob sich der Papst in Sydney mit Opfern treffen wird. Eine solche Begegnung sei momentan nicht abzusehen. Allerdings sei sie auch in den USA zunächst nicht vorgesehen gewesen, so Lombardi. Im April hatte Benedikt XVI. bei seiner Reise in die Vereinigten Staaten außerhalb des offiziellen Programms mit Missbrauchsopfern gesprochen. Die streng private Begegnung folgte wiederholten Bekundungen des Papstes, er sei „tief beschämt“ über die Sex-Skandale, die die US-Kirche 2002 erschütterten. Das Treffen hatte die mediale Wahrnehmung des Besuches mitbestimmt.
„Es ist wichtig, dass die Stimmen der Opfer gehört werden und nicht nur immer die der machtvollen Kirche“, so McIsaac. Ihre Organisation sei auch bereit, für ihr Anliegen auf die Straße zu gehen. Man habe „Protestaktionen für die Zeit des Weltjugendtags in Vorbereitung“. Der Vorsitzende der Australischen Bischofskonferenz, Erzbischof Philip Wilson von Adelaide, sagte auf KNA-Anfrage, er wisse nicht, ob der Papst während seines Besuchs Missbrauchsopfer treffen werde. Er kenne die Einzelheiten des Terminplans nicht.
dpa/AFP/str




