Treffen mit Ahmadinedschad

Bundesregierung verteidigt Schröders Iran-Besuch

Das Treffen des Altkanzlers Schröder mit Irans Präsident Ahmadinedschad hatte für Kritik gesorgt. Jetzt stellt sich die Bundesregierung hinter Schröder. Der Ex-Kanzler habe seine Reise angemeldet, und seine Gespräche lägen auf einer Linie mit der deutschen Iran-Politik. Ein SPD-Politiker nannte die Reise "wirkungsvoll und mutig."

Die Bundesregierung sieht im Iran-Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) keinen Anlass zur Kritik. Man gehe davon aus, dass dessen Gespräche mit der Führung in Teheran auf der Linie der deutschen Iran-Politik gelegen hätten, sagte Vize- Regierungssprecher Thomas Steg.

Schröder habe entsprechend den Vorschriften für ehemalige Regierungschefs bereits frühzeitig seine Reisepläne im Kanzleramt angemeldet. Steg ließ offen, ob der Altkanzler nach Rückkehr über den Inhalt seiner Gespräche einen Bericht vorlegen wird.

Nach den Worten des Iran-Experten der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, reiste Schröder genau zum richtigen Zeitpunkt. „Wir müssen herausfinden, ob nach US-Präsident Barack Obama auch der Iran zu einer neuen Politik bereit ist. Das kann man nur vor Ort erfahren", sagte der SPD-Außenpolitiker der Deutschen Presse-Agentur dpa.


Der Altkanzler genieße Vertrauen und Respekt in der Region, weil er den Irak-Krieg abgelehnt habe. Bei seinen Treffen habe Schröder den Holocaust-Leugnern das Richtige und Notwendige gesagt. „Das ist wirkungsvoller und mutiger als manche wohlfeile Äußerung bei uns", betonte der SPD-Politiker.


Nach Angaben des iranischen Außenministeriums kam Schröder ohne politischen Auftrag. Die Reise sei privat auf Einladung des iranischen Neurochirurgen Professor Madschid Samii gewesen, sagte ein Sprecher in Teheran.

Schröder hatte während seines viertägigen Aufenthalts fast die gesamte politische Elite des Landes getroffen, einschließlich Präsident Mahmud Ahmadinedschad und dessen Herausforderer Mohammed Chatami.


Der Ex-Kanzler hatte Ahmadinedschad wegen seiner anti-israelischen Äußerungen und der Leugnung des Holocaust kritisiert. Zugleich rief er das islamische Land auf, den Regierungswechsel in Washington als Chance zu begreifen und die Beziehungen zum Westen auf eine neue Basis zu stellen.

Die Kritik Schröders an der Haltung des Präsidenten zum Holocaust sorgte dem Vernehmen nach für Verärgerung in der iranischen Regierung.

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