Welch Überraschung: Eine im Auftrag des Fachärzteverbandes durchgeführte Untersuchung hat ergeben, dass es in Deutschland nicht zu viele niedergelassene Fachärzte gibt. Diese Fachärzte führen auch keinesfalls zu viele Doppeluntersuchungen durch, die unnötige Kosten verursachen. Sie sind damit, so das Fazit, nicht Schuld an der häufig unterstellten Verschwendung im Gesundheitswesen. Trotzdem gibt es Verbesserungspotenzial, meint der Wirtschaftsweise Bert Rürup.

Der Fachärzteverband wollte sich mit der Untersuchung gegen den Vorwurf wehren, die herrschende Doppelversorgung mit ambulanten Fachärzten und solchen in Krankenhäusern sei ineffizient. Fachärzte würden ihre Patienten außerdem zu oft unkoordiniert röntgen oder mit anderen Untersuchungen traktieren. Würden sie vermieden, ließen sich mehrere Milliarden Euro einsparen, rechnen Experten immer wieder vor.

Das Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (Iges) und der Regierungsberater Bert Rürup haben die Vorwürfe untersucht. Basis dafür waren die Abrechnungsdaten ambulanter Fachärzte. Das Ergebnis: Würden die ohnehin geringen Doppeluntersuchungen bei den Fachärzten reduziert, ergäben sich Einsparmöglichkeiten zwischen 64 und 325 Millionen Euro. Das entspricht 0,01 bis 0,03 Beitragssatzpunkten jährlich.

„Die Sparpotenziale werden stark überschätzt“, sagte Iges-Chef Bertram Häussler denn auch. Das Nebeneinander des ambulanten und des stationären Facharztsektors sei „kein wesentlicher Grund“ für die Ineffizienz im deutschen Gesundheitswesen. Und wenn es diese Ineffizienz bei Fachärzten doch gebe, dann ginge sie auf das Konto der Krankenhäuser. Ganz so einfach ist die Sache freilich nicht. Die Frage nämlich, ob Krankenhäuser Untersuchungen vornehmen, die schon ambulant durchgeführt wurden, wurde in der Studie nicht untersucht.

Fachmann Rürup vermutet in diesem parallelen Arbeiten der Fachärzte denn auch den Grund für verborgene Ineffizienzen. Die starren Grenzen zwischen dem ambulanten und dem Krankenhaussektor müssten deshalb überwunden werden: „Es besteht massiver Handlungsbedarf“, sagte Rürup. Die gegenwärtige Struktur orientiere sich nicht am Interesse der Patienten. Die Menschen würden immer älter und hätten deshalb oft mehrere Erkrankungen, die koordiniert behandelt werden müssten. Eine bessere Verzahnung zwischen den Kliniken und den niedergelassenen Fachärzten sei deshalb unerlässlich, so Rürup. Um die jeweils beste Behandlungsform herauszufinden, müsse ein Wettbewerb zwischen ambulant und stationär arbeitenden Fachärzten in Gang kommen. Dies senke die Kosten. Voraussetzung dafür müssen aber eine einheitliche Vergütung der ambulanten und stationären Ärzte sein. „Die sektorale Gliederung hat keine Zukunft mehr“, sagte denn auch der Chef des Fachärzteverbandes, Thomas Scharmann.