Die humanitäre Situation um die Stadt Goma im Osten des Kongo ist katastrophal. In der Nacht zu Donnerstag kam es nach einem Bericht des UN-Senders Radio Okapi zu Plünderungen und Vergewaltigungen durch Regierungssoldaten. Dabei wurden neun Menschen getötet. Ein Mitarbeiter der katholischen Don-Bosco-Mission in Goma berichtete, betrunkene und randalierende Soldaten seien in Privathäuser eingedrungen und hätten die Bewohner zum Teil erschossen und vergewaltigt. Marodierende Rebellen hätten einer spanischen Ordensfrau, die als Pflegerin in einem Lazarett arbeitete, beide Füße abgehackt.
Nach dem Vormarsch seiner Truppen hat Rebellenführer Laurent Nkunda der Regierung nun Gespräche vorgeschlagen. Der Führer der Tutsi-Rebellen forderte die Entwaffnung der Hutu-Milizen in der Region. Es gehe darum, die Sicherheit der Tutsi-Minderheit zu garantieren. Die Tutsi-Rebellen hätten sich bis auf zwölf Kilometer von der Provinzhauptstadt Goma zurückgezogen, sagte Nkunda. Mit dem von ihm erklärten Waffenstillstand solle Hilfsorganisationen die Möglichkeit gegeben werden, sich um die Flüchtlinge zu kümmern.
Experten halten die Waffenruhe allerdings für einen taktischen Schachzug Nkundas. „Er benötigt vermutlich eine Ruhepause, auch um eine Versorgungslinie aufzubauen“, sagte Andrea Ostheimer, die das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa leitet, Morgenpost Online. Nkundas Truppen seien sehr schnell vorgerückt. Ihre Stärke wird auf 5500 bis 6000 Mann geschätzt.
Auch an der Gesprächsbereitschaft Nkundas sind Zweifel angebracht: Bislang hat der abtrünnige General Verhandlungen verweigert, bei den Gesprächen im Januar, die zu einem Friedensplan führten, war er persönlich gar nicht anwesend. Der UN-Sicherheitsrat forderte am Mittwoch die sofortige Einstellung der Kämpfe und forderte die Regierungen des Kongo und Ruandas auf, die Stabilität in der Region wiederherzustellen. Zwei Monate nach Beginn der Rebellenoffensive sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 200.000 Menschen vertrieben worden.
Die Europäische Union will nach französischen Angaben noch vor dem Wochenende Beratungen über die Entsendung von Soldaten zur Unterstützung der UN-Mission aufnehmen.
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