Die kongolesischen Truppen sind im Osten des Landes nach eigenen Angaben von Soldaten aus dem benachbarten Ruanda angegriffen worden. In dem Kampfgebiet waren am Mittwoch Explosionen von Bomben, Raketen und Mörsergranaten zu hören. Die Detonationen schienen aus der Nähe eines Dorfes zu kommende, in dem sich mehrere Tausend Flüchtlinge aufhalten.


Mittlerweile haben erste Truppen des Rebellengenerals Laurent Nkunda die Provinzhauptstadt Goma erreicht, sagte eine Sprecherin der Hilfsorganisation World Vision. In der Stadt werde heftig gekämpft, unter den Menschen herrsche Panik. Alle versuchten, Goma so schnell wie möglich zu verlassen. Die UN hätten alle Hilfsorganisationen aufgefordert, ihr Personal unverzüglich aus Goma zu evakuieren.

UN-Blauhelmsoldaten hatten sich zuvor vergeblich bemüht, die Rebellen am Vormarsch auf die Provinzhauptstadt Goma zu hindern. Die Truppen schossen nördlich der Stadt aus Hubschraubern heraus auf die vorrückenden Rebellen, konnten diese aber nach Angaben von Augenzeugen zunächst nicht aufhalten. Die Kongolesen werfen der rund 17.000 Mann starken UN-Friedenstruppe vor, sie nicht vor den Rebellen zu schützen.

Die kongolesischen Soldaten zogen sich indes in Richtung Süden zurück. Die kongolesische Regierung hat Ruanda bereits mehrfach vorgeworfen, Soldaten zur Unterstützung der Rebellen über die Grenze zu schicken. Die ruandische Regierung wies dies zurück.


Nach der neuerlichen Eskalation hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Konfliktparteien im Kongo zu einer sofortigen Feuerpause aufgerufen. „Diese Kämpfe müssen beendet werden“, sagte er am Mittwoch in Manila. Er sei „tief besorgt“ über die Zahl der getöteten Zivilisten und der vor den Kämpfen fliehenden Bevölkerung. „Die Situation in Goma ist Besorgnis erregend“, sagte Ban über die Lage in der Provinzhauptstadt Goma, wo die UN-Friedenshüter und zahlreiche Hilfsorganisationen ihre Arbeit für die Menschen in der Konfliktregion Nord Kivu organisieren. Er habe Gespräche mit den Regierungen im Kongo und im benachbarten Ruanda sowie mit europäischen und afrikanischen Politikern geführt, um über eine Beilegung des Konflikts zu beraten, sagte der UN- Generalsekretär weiter.


Der UN-Gesandte für den Kongo, Alan Doss, forderte unterdessen eine dringende Aufstockung der UN-Friedenstruppe in dem zentralafrikanischen Land. Der UN-Sicherheitsrat forderte in seiner Sitzung einen sofortigen Waffenstillstand im Osten des Kongos. Die Kämpfe wurden „scharf verurteilt“.


Seit die Truppen des Rebellengenerals Laurent Nkunda am Wochenende eine neue Offensive gegen die Regierungstruppen begonnen hätten, versuchten mindestens 20.000 Menschen zu Fuß nach Goma zu gelangen. Tausende flohen nach Uganda.


ap/dpa/fas