Anti-Atom-Proteste

Castor-Gegner bewerfen Polizei mit Flaschen

Bei Protesten gegen den Transport von Atommüll ins Endlager nach Gorleben geraten Castor-Gegner und Polizisten aneinander. Eier, Flaschen und Böller fliegen. Die Polizei löscht brennende Strohballen mit Wasserwerfern. Eine Polizistin wird verletzt, mehrere Demonstranten werden festgenommen.

Bei Protesten gegen den Castor-Transport nach Gorleben haben nach Angaben der Polizei etwa 300 Atomkraftgegner eine Bundesstraße blockiert.

Bei den Protesten in Metzingen im Kreis Lüchow-Dannenberg seien im Anschluss an einen „Laternenumzug“ der Castor-Gegner Strohballen in Brand gesetzt worden. An der Blockade beteiligten sich Bauern mit einem Dutzend Traktoren.

Die Polizei löschte die Strohballen mit Hilfe von Wasserwerfern. Beamten seien mit Eiern und Flaschen beworfen worden, erklärte sie. Bei dem Einsatz sei eine Polizistin leicht verletzt worden. Ein Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg sprach von „üblichen Scharmützeln und Reibereien mit der Polizei“.

Ein Vertreter der Polizei sprach von „unschönen Szenen“. Aufforderungen der Polizei, die Sitzblockade aufzuheben, sei zunächst nur ein Teil der Protestteilnehmer nachgekommen, darunter auch Kinder und Jugendliche. Etwa 150 Demonstranten setzten demnach die Blockade fort. Aus der Menge heraus sei auch mit „Pyrotechnik in die Luft geschossen“ worden.

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben vier der Demonstranten fest. Zwei Personen sollten weiter in Haft bleiben. Ihnen wirft die Polizei vor, Flaschen auf Polizeikräfte geworfen zu haben. Sie sollen auch die Barrikaden angezündet haben. Die Polizei gehe weiterhin davon aus, dass die Proteste größtenteils friedlich verlaufen werden, sagte ein Sprecher.

Der Atommülltransport mit elf Behältern mit hoch radioaktiven Abfällen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague war am Vorabend gestartet und soll an diesem Samstagmittag die deutsch-französische Grenze erreichen. In Dannenberg wird der Atommüllzug am Sonntag erwartet.

Am Bahnhof Dannenberg werden die Behälter auf Straßentieflader umgesetzt, die zum Zwischenlager Gorleben rollen sollen. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg rief für Samstag, 13 Uhr, zu einer Großdemonstration in Gorleben auf.

Die Atomkraftgegner rechnen bei der Demonstration gegen den Transport und gegen ein Atommüllendlager in Gorleben bis zu 10.000 Teilnehmern. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte eine besonnene Reaktion der Polizei auf die Proteste. „Die Polizei muss das Demonstrationsrecht schützen und nicht behindern“, sagte Roth der „Süddeutschen Zeitung“.

In der Vergangenheit habe es „heftige Einsätze“ mit Wasserwerfern gegeben, die zur Eskalation beigetragen hätten. Die Polizeistrategie müsse aber auf Deeskalation ausgelegt sein. Die Teilnehmer der geplanten Protestaktionen rief Roth ebenfalls zu Gewaltfreiheit auf.

Nach zwei Jahren Pause rollt erstmals wieder ein Atommülltransport von der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague in das deutsche Zwischenlager Gorleben. In Deutschland schützen rund 16.000 Polizisten den Transport.