Atomtransport

Polizei räumt Castor-Blockade mit Schlagstöcken

Die Polizei hat eine Gleisblockade von Atomkraftgegnern beim Atommülllager Gorleben aufgelöst. Dabei setzen die Polizisten auch Schlagstöcke ein. Hunderte Demonstranten blockieren die Zufahrt in Gorleben. Die Ankunft der Castorbehälter verzögert sich um Stunden.

Wenige Stunden vor dem Eintreffen des Atommüll-Transports aus Frankreich in Niedersachsen hat die Polizei eine Gleisblockade bei Hitzacker geräumt. Mit Schlagstöcken trieb ein massives Polizeiaufgebot am Sonntagmorgen 500 Demonstranten auseinander, sagte ein Polizeisprecher. Die Blockierer hätten sich in einen Wald zurückgezogen.

„Es war eine sehr unübersichtliche Situation“, sagte ein Sprecher der Polizei. Mehrere Feuer auf den Schienen seien mit Wasserwerfern gelöscht worden. Andere Protestgruppen kündigten an, erst auf die Gleise gehen zu wollen, wenn sich der Zug dem Wendland nähert.

Atomkraftgegner waren zwischen Dahlenburg und Dannenberg auf die durch ein Waldgebiet führende Bahnstrecke gelangt. Unter anderem zündeten sie Strohballen an. In einem waldreichen Gebiet an der Strecke bewegten sich mehrere Gruppen von Demonstranten in Richtung Bahnlinie, sagte ein Polizeisprecher.

Der umstrittene Atommülltransport in den Castor-Behältern aus Frankreich sollte nach einer stundenlangen Verspätung um elf Uhr in Hessen eintreffen und das Bundesland etwa vier Stunden später wieder verlassen, teilte die Polizei in Fulda mit. Zur genauen Fahrstrecke wollte ein Sprecher keine Angaben machen. Von geplanten Störaktionen in Hessen sei aber nichts bekannt.

Nach einer fast zwölfstündigen Gleisblockade von Kernkraftgegnern in der Südpfalz hatte der Zug in der Nacht seine Fahrt mit Verspätung fortgesetzt. Dann war der Zug durch Baden-Württemberg gerollt und hatte Würzburg passiert, erklärte die Bundespolizei. Der Zug habe anschließend den Bahnhof von Wörth in Rheinland-Pfalz passiert. Etwa 200 AKW-Gegner hätten die Nacht friedlich in der Nähe des Zugs verbracht.

Drei Atomkraftgegner hatten sich in der Nähe der südpfälzischen Ortschaft Berg nahe der deutsch-französischen Grenze in unwegsamem Gelände an den Gleisen angekettet und damit für einen langen Stopp des Zugs in der französischen Grenzstadt Lauterbourg gesorgt. Fachleute der Bundespolizei konnten die Demonstranten nur mit großem technischem Aufwand von den Ketten lösen. Nach Angaben von Atomkraftgegnern hatten die Demonstranten ihre Arme in einem Betonblock festgekettet, der im Gleisbett versteckt war.

Ziel des vor zwei Tagen in Frankreich gestarteten Transports ist das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen. Nach Angaben der Polizei wird der Zug mit elf Behältern nun erst am Sonntagnachmittag in der niedersächsischen Stadt Lüneburg erwartet. 200 Demonstranten blockierten weiter die Einfahrt zum Zwischenlager. Nach einer Demonstration von 15.000 Atomkraftgegnern hatten sich am Vorabend sogar 500 Aktivisten vor der Einfahrt niedergelassen. Man sehe im Moment keinen Grund, gegen die Blockade vorzugehen, sagte ein Polizeisprecher.

Die elf Atommüllbehälter sollen in Dannenberg vom Zug auf Straßentieflader umgesetzt werden. Mit dem Weitertransport in Richtung Gorleben wird für Montag, den 10. November, gerechnet.