Castor-Transport

Protest gegen Atommüll stark wie lange nicht

Der Atommülltransport aus Frankreich ist in der Nacht mit mehrstündiger Verspätung in Deutschland eingetroffen und inzwischen auf dem Weg nach Gorleben. Drei Menschen hatten sich an die Gleise gekettet und damit die Ankunft des Zuges erheblich verzögert. Die Polizei im Wendland stellt sich auf gewaltsame Aktionen ein.

Drei Demonstranten – zwei Männer und eine Frau – hatten sich in der Südpfalz kurz hinter der französischen Grenze auf den Gleisen angekettet. Nach eigenen Angaben hatten die Atomkraft-Gegner unter den Bahnschwellen einen Betonblock versteckt und dann ihre Arme so daran befestigt, dass sie sich nicht mehr von selbst befreien konnten.

Die Polizei musste mit schwerem Gerät anrücken. Erst am Abend gelang es den Beamten, die Demonstranten von den Gleisen zu entfernen. Nach Mitternacht rollte der Zug weiter und erreichte Deutschland.

In Gorleben kamen nach Angaben der Polizei rund 14.500 Menschen zu einer Protestkundgebung zusammen. Die Anti-Atom-Initiative „X- tausendmal quer“ sprach von 16.000 Demonstranten. Der Ansturm sei so groß gewesen wie zuletzt 2001, hieß es.

Angeheizt wird der Protest durch den politischen Streit um längere Laufzeiten für Atomkraftwerke und wegen der Pannen in dem einsturzgefährdeten Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel. „Das ist die stärkste Mobilisierung seit Jahren“, teilten die Atomkraftgegner mit. Die Demonstration in Gorleben mit Musik und rund 350 Traktoren wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet und blieb zunächst friedlich.

Vor dem Zwischenlager in Gorleben versammelten sich Demonstranten zu einer Sitzblockade. Darunter war auch Grünen-Chefin Claudia Roth. Sie sagte, der Protest gehe weit über die Region hinaus und sei ein breite gesellschaftliche Bewegung. „Das ist ein deutliches Signal an die Bundesregierung, dass es darum geht, am Atomausstieg festzuhalten.“ Auch die Bundestags- Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, der designierte Parteichef Cem Özedmir und andere Politiker kamen ins Wendland.

Der Atommüll-Transport war am Freitagabend in Frankreich gestartet und wird am Sonntag im Wendland in Niedersachsen erwartet.

Die Polizei im Wendland stellte sich auch auf gewaltsame Aktionen ein. Am Freitagabend hatten Einsatzkräfte bei Dannenberg eine Sitzblockade auf einer Bundesstraße aufgehoben und einige Atomkraftgegner vorläufig in Gewahrsam genommen. Es flogen Flaschen und Knallkörper. „Es gibt kleine Gruppen, die die Konfrontation mit der Polizei suchen“, sagte ein Polizeisprecher.

In der Nacht zum Samstag legten Unbekannte in Brandenburg drei Brände an Signalanlagen der Bahn. Einen Zusammenhang mit dem Atommülltransport schloss die Bundespolizei nicht aus. Hinweise auf die Täter gab es zunächst aber nicht. Er kam zu Verspätungen im Bahnverkehr.