Umfrage

Deutsche halten Olympia in China für einen Fehler

Dass China Veranstalter der Olympischen Spiele ist, hält die Mehrheit der Deutschen für keine gute Idee. Das geht aus dem neuen Deutschlandtrend hervor, den das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap im Auftrag von Morgenpost Online und ARD ermittelt hat. Doch es gibt nach Meinung der Befragten auch Grund zur Hoffnung.

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Die Bundesbürger sehen den heute beginnenden Olympischen Spielen in Peking mit gemischten Gefühlen entgegen. Angesichts des Vorgehens der chinesischen Regierung gegen die Proteste in Tibet und der jüngsten Maßnahmen zur Behinderung der Medienberichterstattung hält eine Mehrheit der Deutschen (56 Prozent) die Vergabe der Spiele nach China für einen Fehler. Nur 38 Prozent halten sie weiterhin für richtig. Gleichwohl steht für 61 Prozent der Deutschen außer Frage, dass China aus den Spielen einen Imagegewinn ziehen wird. Das ist das Ergebnis des ARD-Deutschlandtrends, den Infratest Dimap im Auftrag der ARD-„Tagesthemen“ und ONLINE erstellt hat.


Obwohl die Mehrheit der Deutschen skeptisch ist, teilen zugleich 53 Prozent die Hoffnung, dass sich auf mittlere Sicht die Menschenrechtssituation in China verbessern wird. Für 28 Prozent wird sich daran nichts Nennenswertes ändern, und eine kleine Gruppe von 15 Prozent hegt sogar die Befürchtung, dass es um die Menschenrechte in China künftig eher noch schlechter bestellt sein wird. Ungeachtet der politischen Verhältnisse im Gastgeberland sind wiederum 71 Prozent der Bundesbürger der Meinung, dass sich die deutschen Athleten ganz auf den Sport konzentrieren sollten. Lediglich 28 Prozent plädieren dafür, dass Sportler ihre Meinung zu Menschenrechten öffentlich äußern.


Ein weiteres zentrales Thema der Umfrage unter 1001 Bundesbürgern ist Doping. Eine Mehrheit der Deutschen glaubt, dass es bei den meisten Wettkämpfen fair zugeht (55 Prozent). Vier von zehn (41 Prozent) äußern indes den Verdacht, dass sich die erfolgreichen Sportler in vielen Fällen unerlaubter Mittel bedienen, um ihre Leistungen zu steigern.


Der chinesische Botschafter in Deutschland, Ma Canrong, warnte derweil davor, das Sportfest zu politisieren. „Olympia ist vor allem ein Sportfest“, sagte er dem Sender MDR Info. Der richtige Ort, politische Fragen zu diskutieren, seien die regelmäßigen Treffen zwischen China und Deutschland. Dort würde auch über „sensible Themen wie Menschenrechte und Todesstrafe“ gesprochen, sagte Ma. Die Botschaft verweigerte die Annahme von über 10.000 Protestunterschriften gegen die Menschenrechtssituation in China. Mit der Übergabe wollte die Gesellschaft für bedrohte Völker gegen die zunehmende Verfolgung von Volksgruppen und Glaubensgemeinschaften demonstrieren.


Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, begrüßte die Absicht einiger Sportler, der Eröffnungsfeier fernzubleiben. Damit demonstrierten sie den olympischen „Geist der Freiheit“, schrieb Huber in der „BZ“. Die kritische Diskussion dürfe nicht vom „olympischen Rummel“ erstickt werden. Die SPD-Menschenrechtsexpertin Herta Däubler-Gmelin forderte eine differenzierte Sicht auf China. In den vergangenen Jahrzehnten habe Peking in vielen Bereichen „großartige Fortschritte“ gemacht, etwa bei der Armutsbekämpfung oder der Gesundheitsversorgung, sagte Däubler-Gmelin. Bei den persönlichen Freiheitsrechten gebe es aber „noch viel Nachholbedarf“.