Die Politik gibt Nachhilfestunde in Geografie und Geschichte. Wer wusste schon vor zehn Jahren ernsthaft etwas vom Kosovo? Oder von Abchasien, Südossetien, Adscharien?


Oder gar, wie solche Provinzen umstrittener Zugehörigkeit die Weltpolitik verunsichern können?


Georgien will in die Nordatlantische Allianz und in die Europäische Union. Die Amerikaner unterstützen beides. Vor dem Eintritt in die westlichen Bündnisse muss jedes Land aber seine Grenzprobleme regeln.

Der georgische Präsident sah offenbar in der Russifizierungspolitik des mächtigen nördlichen Nachbarn Georgiens die Gefahr eines endgültigen Verlusts der umstrittenen Provinzen. Die "gefrorenen Konflikte" wollte er auf heiße Weise lösen. Dem traten die Russen militärisch entgegen.


So entwickelt der Kleinkrieg über Südossetien hinaus für die gesamte Region Ansteckungsgefahr. Die Pipelines durch Georgien wurden bombardiert, aber - absichtsvoll als Warnung oder aus taktischem Versehen? - verfehlt. Durch sie fließt Öl, ganz besonders nach Europa. Das Spiel mit dem Feuer hat der Weltkonjunktur gerade noch gefehlt.


Krieg bringt Dinge ans Licht, die sonst verborgen bleiben. Zum einen, dass die Balkankonflikte der 1990er-Jahre noch immer ausstrahlen. Zum Zweiten, dass Russland die Provinzen am südlichen Rand nicht verloren gibt und nach Art einer klassischen Großmacht reagiert.


Zum Dritten, dass Amerika von dem Konflikt überrascht wird und ihn gar nicht brauchen kann. Zum Vierten, dass der Westen insgesamt, die Europäer aber ganz besonders, wohlberaten sind, Versprechungen am Maß des Möglichen auszurichten.


Der Strahlemann der Rosenrevolution von Tiflis 2004, Präsident Michail Saakaschwili, hat hoch gepokert und hoch verloren. Gegen Russland hat er allenfalls diplomatisch und mit unendlicher Geduld eine Chance, militärisch kann er nur verlieren. Die Chance seines Landes, einmal tatsächlich Teil der westlichen Systeme zu werden, ist Teil des Trümmerhaufens.