Der militärische Konflikt zwischen Russland und dem Öl-Transitland Georgien um Südossetien hat den Ölpreis zu Wochenbeginn vorübergehend nach oben getrieben. Der Konflikt schürt nach Angaben von Händlern die Sorge vor Lieferengpässen. Das Fass Rohöl der US-Sorte WTI war Montagmorgen um bis zu 1,50 Dollar teurer als zum Handelsschluss am Freitag, am Nachmittag lag das Preisniveau dann aber wieder in etwa auf dem Stand vom Freitag. „Der militärische Konflikt in Georgien ist heute morgen der Hauptfaktor für den steigenden Ölpreis“, sagte der Analyst David Moore von der Commonwealth Bank von Australien. Russland wies unterdessen georgische Vorwürfe zurück, die Leitung bombardiert zu haben. „Wir bombardieren keine Öl-Pipelines“, sagte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn.

Bei den Kämpfen um die abtrünnige georgische Provinz Südossetien soll auch eine für den Westen wichtige Ölpipeline von den Russen beschossen worden sein. Die Russen dementierten derartige Berichte georgischer Seite umgehend. Bei der Leitung, die angeblich im Visier russischer Waffen gestanden hat, handelt es sich um die Leitung zum türkischen Hafen von Ceyhan.


"Wir bombardieren keine Öl-Pipelines", sagte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn am Montag in Moskau. Die russische Luftwaffe greife nur militärische Ziele an.


Unterdessen ist der Ölpreis international um mehr als einen Dollar angestiegen. Ein Schifffahrtsagent berichtete, die georgischen Häfen Supsa und Batumi arbeiteten nur eingeschränkt. Der Hafen von Poti habe seinen Betrieb sogar eingestellt.


Bei der Pipeline, die angeblich von den Russen beschossen worden sein soll, handelt es sich um die Verbindung vom aserbaidschanischen Baku bis zur türkischen Mittelmeerküste. Die Leitung ist rund 1800 Kilometer lang. In der Türkei wird das Öl auf Schiffe verladen. Wegen ihrer Hauptstationen Baku, Tiflis und Ceyhan wird die Pipeline häufig mit BTC abgekürzt.


Unter dem kaspischen Meer werden Ölvorräte von mehr als 100 Milliarden Barrel vermutet. Die Pipeline ist daher für den Westen so wichtig, weil sie nicht über russisches Einflussgebiet führt. Den größten Anteil an der Betreibergesellschaft hält der britische Ölriese BP mit 30 Prozent. Die Leitung war nach Angaben von BP seit Mittwoch außer Betrieb. Ursache für den Lieferstopp soll ein Feuer in der Osttürkei gewesen sein. Dahinter soll ein Anschlag der kurdischen Arbeiterpartei PKK stehen.

Aserbaidschan hatte seine Öllieferungen durch Georgien am Sonnabend eingestellt. Für die Ölversorgung in Deutschland dürfte die aktuelle Entwicklung kaum Auswirkungen haben, sagte die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Es gebe kaum Lieferungen über die BTC-Pipeline nach Deutschland.


Sollte es zu einer längeren Unterbrechung der Leitung kommen, sehe das aber schon anders aus: Denn einige andere Länder in Westeuropa hängen tatsächlich an dem kaspischen Tropf. Rund eine Million Barrel fließen täglich durch die Leitung. Kurzfristig gebe es zwar andere Bezugsquellen, aber grundsätzlich könne es zu einem Problem werden, sagte Kemfert.

rtr/afp/pif