Die „Gribshunden“ war das Flaggschiff des dänischen Königs Johann I. und gehörte zu den modernsten Kriegsschiffen des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Ein Brand an Bord besiegelte das Schicksal von 150 Besatzungsmitgliedern, von denen viele beim Untergang starben. Wissenschaftler haben bei weiterführenden archäologischen Untersuchungen neue Artefakte sichern können, die das Bild vom Leben an Bord vervollständigen.
Kettenhemd und Munitionskiste im Wrack der Gribshunden entdeckt
Obwohl das Schiffswrack bereits in den 1970er Jahren entdeckt worden war, gelang es Archäologen erst 2013, es eindeutig als das Kriegsschiff „Gribshunden“ zu identifizieren. Holzproben ergaben, dass die Eichen für den Bau des Schiffes im Winter 1482 bis 1483 entlang der Maas gefällt worden waren. Die Forschungsarbeiten der vergangenen Jahre haben zahlreiche Artefakte ans Licht gebracht, da sich das Schiff auch Jahrhunderte später noch in einem bemerkenswert guten Zustand befindet.
Weitere archäologische Untersuchungen lieferten zusätzliche Funde und Erkenntnisse. Besonderes Augenmerk galt einer Holzkiste, die deutschen Landsknechten zugeordnet wird. Dabei handelte es sich um Söldner, die überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum stammten und seit dem späten 15. Jahrhundert für verschiedene europäische Herrscher und Heerführer kämpften, erläutert der Unterwasserarchäologe Florian Huber. „In der Kiste befinden sich unter anderem Gussformen, Bleiplatten und weitere Werkzeuge zur Herstellung von Bleikugeln für frühe Handfeuerwaffen. Das ermöglicht einen bemerkenswerten Einblick in die logistische Organisation der Bewaffnung an Bord.“

Anfang Oktober bargen die Archäologen zudem ein weiteres Kettenhemd. Die gut erhaltenen Fragmente lassen auf eine hochwertige Verarbeitung der Schutzausrüstung schließen. Rolf Warming von der Universität Stockholm, der das Forschungsprojekt zur Untersuchung des Wracks seit mehreren Jahren leitet, hebt besonders den Fundort hervor: „Die Kiste und das Kettenhemd wurden im Bereich des Vorderkastells gefunden, einer erhöhten Kampfplattform des Schiffes. Der darunterliegende Raum wird als militärischer Stauraum gedeutet, was die Konzentration der Funde in diesem Bereich erklären könnte.“
Die neuen Erkenntnisse wurden auch durch eine umfassende fotogrammetrische Dokumentation ermöglicht. Bei diesem Verfahren lassen sich aus zweidimensionalen Fotografien präzise dreidimensionale Modelle erstellen. So können Archäologen Formen, Abmessungen und Oberflächenstrukturen rekonstruieren und detailliert untersuchen.
Funde vervollständigen das Bild vom Leben an Bord
Für die Forscher sind die neu entdeckten Artefakte von besonderer Bedeutung, vervollständigen diese doch das Bild vom Leben an Bord eines Kriegsschiffes aus dem 15. Jahrhundert. „Die neuen Funde ergänzen damit das immer detailliertere Bild von der militärischen Ausstattung des königlichen Kriegsschiffes kurz vor seinem Untergang“, so Rolf Warming.

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Das Kriegsschiff verfügte vermutlich über Dutzende Geschütze sowie verschiedene Handfeuerwaffen und Armbrüste. Als Flaggschiff von König Johann I. nahm die „Gribshunden“ eine zentrale Rolle innerhalb der dänischen Flotte ein. Der König stand als Herrscher Dänemarks an der Spitze der Kalmarer Union, zu der Dänemark, Norwegen und Schweden gehörten.
Gemeinsam mit 16 weiteren Schiffen war die „Gribshunden“ auf dem Weg nach Schweden, um dort einen Aufstand niederzuschlagen. Doch ein Brand, vermutlich durch eine Explosion an Bord ausgelöst, besiegelte das Schicksal des Kriegsschiffes. König Johann I. befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks nicht an Bord und entging dadurch vermutlich dem Tod.
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rw mit dpa










