Bei Ausgrabungsarbeiten im niederbayerischen Großköllnbach im Landkreis Dingolfing-Landau haben Archäologen die Überreste eines Jugendlichen entdeckt, der vor rund 7000 Jahren an dieser Stelle bestattet wurde. Das Skelett weist in seiner Grabstelle eine ungewöhnliche Körperhaltung auf, die von den damals in der Region verbreiteten Bestattungsriten abweicht. Vor allem der Zustand der Halswirbelsäule gibt den Forschern Rätsel auf.
Ungewöhnliche Bestattung: 7000 Jahre altes Skelett entdeckt
Das Skelett des Teenagers wurde im künftigen Baugebiet Steigäcker IV entdeckt, wie „Euronews“ berichtet. Bei ihren Ausgrabungen stießen die Archäologen dort vor allem auf Überreste der Linearbandkeramischen Kultur. Diese älteste bäuerliche Kultur der Jungsteinzeit (Neolithikum) in Mitteleuropa hat im niederbayerischen Großköllnbach zahlreiche Spuren hinterlassen.
Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Grab, dessen Skelett ersten Analysen zufolge einem Menschen im Teenager-Alter zugeordnet werden kann. Die Körperhaltung des entdeckten Skeletts unterscheidet sich deutlich von den üblichen Bestattungsformen dieser Zeit. Das rechte Bein war stark angehockt, während das linke Bein angewinkelt nach außen ragte. Auch die Halswirbelsäule wirft Fragen auf, da sie ähnlich wie der übrige Körper leicht verdreht war. Üblicherweise bestatteten Angehörige der Linearbandkeramischen Kultur ihre Toten in sogenannten Hockergräbern. Die Verstorbenen lagen dabei mit angewinkelten Armen und Beinen in einer Haltung, die an eine schlafende Person erinnert.
Knochenstruktur: Körperlich bedingt oder Zufall?
Für die verdrehte Körperhaltung des Skeletts ziehen die Wissenschaftler derzeit zwei unterschiedliche Erklärungsansätze in Betracht. Im Mittelpunkt steht dabei die auffällig verformte Halswirbelsäule. Eine detaillierte anthropologische Untersuchung soll klären, ob die Veränderung auf eine Erkrankung oder eine anatomische Besonderheit zurückzuführen ist, die bereits zu Lebzeiten bestand.
Eine zweite Erklärung betrifft die Beschaffenheit der Grabgrube. Deren Boden war uneben und abschüssig. Möglicherweise kam es nach der Bestattung zu Verschiebungen im Erdreich, wodurch die Knochen des Skeletts in die ungewöhnliche Haltung gelangten. Auch die auffällige Verdrehung der Halswirbelsäule könnte auf diese Weise entstanden sein.
Bemerkenswerte Funde der Linearbandkeramischen Kultur
Die Fundstelle in Niederbayern erweist sich als Segen für die Archäologie, die zahlreiche Artefakte und Entdeckungen der Linearbandkeramischen Kultur zuschreiben konnte. Bei den Ausgrabungsarbeiten wurden zahlreiche Artefakte und Siedlungsspuren der Kultur entdeckt, die im sechsten Jahrtausend v. Chr. entstanden ist. Die Forscher fanden Hinweise auf drei Langhäuser, von denen zwei zeitgleich bestanden haben könnten. Gut erhaltene Feuerstellen und Kochbereiche ermöglichen zudem Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten und die Zubereitung von Speisen der damaligen Bevölkerung.
Besondere Aufmerksamkeit gilt mehreren entdeckten Schleifplatten. Ersten Erkenntnissen zufolge könnte das verwendete Gestein aus Gebieten jenseits der Donau oder aus dem Bayerischen Wald stammen. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, wäre dies ein Hinweis darauf, dass die frühen Bauern bereits Materialien über größere Entfernungen beschafften und transportierten.
Lesen Sie auch
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Bis zum Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen bleibt die Fundstelle für die Öffentlichkeit unzugänglich. Die Bezirksarchäologie plant, nach Abschluss der Analysen weitere Ergebnisse und Erkenntnisse zu veröffentlichen.








