Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow nähert sich seinem Ende. Am 31. Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock ging es erneut um Gespräche, die Gina H. führte, als sie bereits im Fokus der Ermittler stand. Die 30-Jährige hatte am 14. Oktober 2025 den Fund von Fabians Leiche gemeldet. Kurz darauf wurde ihr Telefon überwacht.

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Die Staatsanwaltschaft wirft H. vor, Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, nach Klein Upahl gebracht und dort erstochen zu haben. Später soll sie versucht haben, den Leichnam anzuzünden. Gina H. bestreitet die Tat.
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Mordprozess um Fabian: Gina H. spricht über Messerstiche
Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein Telefonat vom 20. Oktober. Wie der „Stern“ aus dem Gerichtssaal berichtete, beklagt sich H. darin ausführlich über die Ermittlungen und die mediale Berichterstattung. Unter anderem wundert sie sich darüber, dass Polizisten einen Misthaufen an ihrer Pferdekoppel durchsucht haben sollen. „Was wollen die denn da finden?“, fragt sie.
Dann fällt eine bemerkenswerte Äußerung: „Ich weiß nicht, mit was Fabian umgebracht wurde, angeblich aber mit sieben oder acht Messerstichen.“ Die Behörden hatten die genauen Verletzungen des Jungen damals noch nicht öffentlich beschrieben. Erst aus der späteren Anklage wurde bekannt, dass Fabian mindestens sechs schwere Stichverletzungen im Brustbereich erlitten haben soll, zwei davon direkt ins Herz.
Fabians Mutter erhebt schwere Vorwürfe
Abgehörte Telefonate: Widersprüche beim Fund von Fabians Leiche
Auch andere Gespräche werfen Fragen auf. Wie aus Berichten über die Verhandlung hervorgeht, schilderte H. den Fund von Fabians Leiche gegenüber verschiedenen Personen nicht immer gleich.
In einem Telefonat mit Fabians Vater Matthias R. erwähnt sie ihre Freundin Heike M. und Olaf K.. Dass sie auch mit Christian D. am Tümpel bei Klein Upahl war und es sich um mehrere getrennte Fahrten handelte, lässt sie in diesem Gespräch unerwähnt. „Es war alles ein scheiß verfickter Zufall“, sagt H. in der Aufnahme.
Kurz darauf telefoniert sie erneut mit ihrem Nachbarn Olaf K. Ein Satz aus dem Mitschnitt sticht hervor: „Ich werde ihm bestimmt nicht die Geschichte erzählen, wie es komplett war.“ Gemeint ist offenbar Matthias R. Was H. mit der „kompletten“ Geschichte meint, bleibt offen.
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Blut und Brandbeschleuniger: Gina H.s Sorge um ihr Auto
Noch konkreter werden ihre Befürchtungen in späteren Gesprächen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ermittler H.s orangefarbenen Ford Ranger bereits ins Visier genommen. Gegenüber Olaf K. sagt sie, sie habe „ein bisschen Schiss“, dass sich auf der hinteren linken Fußmatte etwas befinden könnte. Für mögliche Blutspuren liefert sie zugleich eine Erklärung: Fabian habe sich irgendwann verletzt.
Doch nicht nur Blut beschäftigt sie. In demselben Gespräch hofft H., dass sich eine Flasche mit Grillanzünder nicht mehr im Fahrzeug befindet. Am folgenden Tag kommt sie erneut darauf zurück. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich habe nichts getan“, sagt sie zunächst zu einem Bekannten. Kurz darauf folgt jedoch die Sorge: „Nicht, dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab.“ Sollte die Polizei ihn finden, fürchtet H., werde man ihr die Tat anlasten.
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Wildkameras und Schuhe am Fundort beschäftigen Gina H.
Auch der Fundort selbst beschäftigt H. in den Telefonaten. Gegenüber Olaf K. äußert sie die Sorge, dass Wildkameras ihre Fahrten in das Waldgebiet aufgezeichnet haben könnten. „Das wäre natürlich auch die Arschkarte“, sagt sie. K. entgegnet, er habe bei der Polizei angegeben, dass beide dort lediglich „mal geguckt“ hätten und anschließend wieder gefahren seien. H. antwortet: „Ja, mein Problem ist aber Thema Schuhe.“
Am Fundort waren verschiedene Fußspuren entdeckt worden. Nach bisherigen Berichten aus dem Prozess fand sich dort auch das Profil sogenannter PAMMYS-Turnschuhe. Gina H. besitzt drei Paar dieses Modells. Dass sie solche Schuhe besitzt, belegt für sich genommen allerdings nicht, dass sie sich zur Tatzeit am Fundort aufhielt.
Gina H. und das Alibi: Eine Kameraaufnahme widerspricht ihrer Darstellung
Noch konkreter wird es am 21. Oktober. Olaf K. soll erneut bei der Polizei aussagen. In einem Telefonat sprechen beide darüber, wo sie sich am Tag von Fabians Verschwinden aufgehalten haben. „Wichtig ist, dass wir zusammen waren, zwecks Alibi und so“, sagt H. Sie erklärt, beide hätten am Vormittag gemeinsam die Pferde versorgt.
Diese Darstellung steht allerdings im Widerspruch zu einer anderen Ermittlungserkenntnis: Eine Überwachungskamera erfasste H.s orangefarbenen Ford Ranger nach Angaben aus dem Verfahren bereits um 10.43 Uhr in Fabians Straße in Güstrow.
Campingmesser als Tatwaffe? Was im Fabian-Prozess noch offen ist
Am folgenden Tag rückt ein weiterer Gegenstand in den Fokus. Olaf K. berichtet H. in einem Telefonat, sein Campingmesser sei verschwunden. Es habe gewöhnlich in der Tür seines Schuppens gesteckt. H. antwortet, sie wisse zwar nicht genau, wie das Messer aussehe, wohl aber, dass es dort gehangen habe.
Später äußerte sie sich vor Gericht offenbar anders: „Ich wusste nicht einmal, dass ein Messer in seiner Tür steckte.“ Das später wieder aufgetauchte Campingmesser hat eine zehn Zentimeter lange Klinge. Nach der im Prozess bekannt gewordenen Einschätzung eines Rechtsmediziners käme eine Klinge dieser Größe grundsätzlich als Tatwaffe infrage. Verwertbare Spuren fanden die Ermittler an dem Messer allerdings nicht.
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Mit der Auswertung der Telefongespräche nähert sich die Beweisaufnahme ihrem Ende. Am Donnerstag soll ein Psychiater sein Gutachten zur Schuldfähigkeit Gina H.s vorstellen. Dabei geht es um die Frage, ob sie – sollte das Gericht sie für die Täterin halten – zur Tatzeit in ihrer Fähigkeit eingeschränkt gewesen sein könnte, das Unrecht ihres Handelns zu erkennen oder entsprechend zu handeln.
Das Urteil wird derzeit für den 10. November erwartet. Bis dahin muss das Gericht aus einer Vielzahl einzelner Befunde ein Gesamtbild formen.









