Mit sechs Messerstichen wurde der achtjährige Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 getötet. Danach wurde der Leichnam angezündet. Seine Stiefmutter Gina H. ist wegen heimtückischen Mordes angeklagt. Sie streitet die Tat ab, verstrickte sich zuletzt aber in Widersprüche. Bei fast jedem Prozesstag dabei: Fabians Mutter Dorina. Wie lebt es sich weiter mit der Gewissheit, dass das eigene Kind nie mehr nach Hause kommt? „Ich möchte Fabian ein Gesicht geben und für ihn kämpfen“, sagt Dorina L. gegenüber dem „Stern“ und spricht damit erstmals öffentlich über Fabian, Gina H. und das Verhältnis zu ihrem Ex-Freund.

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Für dessen Aussage vor Gericht empfand Dorina L. nur Scham. Der Mann, der trotz der Vorwürfe gegen Gina H. wieder mit ihr zusammen ist, erklärte seine Freundin vor Gericht für unschuldig. Zudem machte er Andeutungen über Bettgeschichten der beiden. „Ich habe mich dafür geschämt, dass ich mit ihm zusammen war. Mir war das komplett unangenehm“, sagt Dorina L.
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Sie wolle ihn nie wiedersehen. Dazu, dass Fabians Vater mit der mutmaßlichen Mörderin des gemeinsamen Sohnes wieder zusammen ist, sagt Dorina L.: „Er hat Fabi ein zweites Mal sterben lassen. So hat sich das angefühlt“. Der Vater habe „seinen Sohn verraten“, so die Mutter.
Dorina L. über Beziehung zwischen Gina H. und Fabians Vater: „Er hat Fabi ein zweites Mal sterben lassen“
Mehrere Jahre war sie mit Fabians Vater liiert. Zunächst sei noch alles harmonisch gewesen, beide hätten vor Glück geweint, als Fabian auf die Welt kam. Doch schon bald sei Fabians Vater immer öfter länger weggeblieben. Eines Nachts sei er betrunken und mit verkehrt herum angezogenem T‑Shirt nach Hause gekommen, so Fabians Mutter. Sie habe eine eindeutige Nachricht entdeckt, die ihren Angaben zufolge bewies, dass er fremdging. Dorina L. trennte sich.

Als sie Gina H. als neue Freundin von Fabians Vater kennenlernte, nahm sie die Frau, die sich aktuell wegen mutmaßlichen Mordes verantworten muss, als „sehr selbstbewusst“ und als eine Frau wahr, die eine starke Persönlichkeit gehabt hätte. Sie habe kein negatives Bild von ihr gehabt, „sie war eine ganz normale Frau“, so Dorina L. Auch Fabian hätte nie etwas Schlechtes über Gina H. gesagt.
Fabians Mutter musste Leichnam ihres getöteten Sohnes nicht identifizieren
Selbst als herauskam, dass Gina H. die Leiche von Fabian an einem Tümpel entdeckt hatte, verdächtigte Dorina L. die neue Frau an der Seite ihres Ex-Freundes nicht. „Mir wurde erst nach und nach in Gesprächen mit Freunden klar, wie eigenartig das ist“, so Dorina L. „Aber ich wollte diesen Gedanken lange nicht zulassen, weil ich ihr Fabian ja auch anvertraut hatte.“
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Die Mutter des getöteten Jungen aus Güstrow war froh, dass sie seinen Leichnam nicht identifizieren musste: „Ich wollte das nicht, ich wollte Fabi nicht so sehen. Ich wollte sein Lächeln in Erinnerung behalten.“ Fabian sei sehr empathisch gewesen, hätte sein Fahrrad über alles geliebt und sei häufig mit Kumpels im Jugendklub gewesen. Als Gina H. vor Gericht sagte, dass sie sich oft in Fabian wiedererkannt habe, musste sich Dorina L. zusammenreißen, nicht laut loszulachen. „Fabian war ein so herzlicher Junge, ein so guter Mensch. Er war absolut nicht wie sie“, sagt sie gegenüber dem „Stern“.
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Im Mordprozess will Gina H. am 10. September erstmals Fragen beantworten. Das kündigte ihr Anwalt Thomas Löcker beim 25. Verhandlungstag im Landgericht Rostock an. Die Angeklagte hatte vor rund einer Woche eine 95 Seiten lange Erklärung vorgelesen und die Tat abgestritten. Es gilt die Unschuldsvermutung. Fragen an sie waren nicht möglich.
Anwesend wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit auch Dorina L. wieder sein. In den kommenden Wochen wird das Urteil erwartet. Was erhofft sich Dorina L.? „Ich will, dass sie nie wieder in Freiheit lebt. Das bringt mir Fabian nicht wieder. Aber dann weiß ich wenigstens, dass sie so etwas nicht noch jemandem antun kann.“









