Fast 80 Jahre lang lag ein außergewöhnliches Fossil weitgehend unbemerkt in der Arktis. Nun haben Forscher des Naturkundemuseums Stuttgart die Überreste genauer untersucht und einer neuen Art zugeordnet: dem Arctobatrachus urdensis.

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Das Tier lebte vor mehr als 200 Millionen Jahren in der Trias. Es gehörte zu den Plagiosauriern – einer heute ausgestorbenen Gruppe von Amphibien, die einen auffallend breiten, flachen Körper und einen ungewöhnlich geformten Schädel hatten. Mit einer geschätzten Länge von etwa 2,7 Metern war Arctobatrachus urdensis deutlich größer als alle bisher bekannten Vertreter dieser Gruppe.
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Tiere: Entdeckung auf einer abgelegenen Insel
Gefunden wurde das Fossil bereits 1948 auf Bjørnøya, der Bäreninsel zwischen dem norwegischen Festland und Spitzbergen. Eine britische Expedition stieß dort auf die Knochen. Die Forscher standen damals allerdings vor einem praktischen Problem: Die Überreste waren zu groß, um sie mit der vorhandenen Ausrüstung abzutransportieren. Deshalb fotografierten sie das Fossil und nahmen lediglich einige einzelne Knochen mit. Der größte Teil blieb auf der Insel zurück.
Dass die Überreste die folgenden Jahrzehnte unter den harten Bedingungen der Arktis überhaupt überstanden, war nicht selbstverständlich. 1984 entdeckte ein norwegisches Geologenteam das Fossil schließlich wieder. Ein Jahr später wurde es bei einer Expedition ausgegraben. In den Jahrzehnten dazwischen hatten Frost und Wetter zahlreiche Knochen beschädigt oder zerstört.
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Alte Fotos helfen bei der Rekonstruktion
Für die heutige Untersuchung waren deshalb nicht nur die erhaltenen Knochen wichtig. Auch die Fotografien aus dem Jahr 1948 spielten eine entscheidende Rolle. Mithilfe der alten Aufnahmen konnten die Forscher Teile des stark beschädigten Schädels rekonstruieren. Dabei zeigte sich eine ungewöhnliche Form: Der Schädel war etwa 70 Zentimeter breit, aber nur rund 21 Zentimeter lang. Seine Umrisse bildeten beinahe einen Halbkreis.
Auch das Gebiss fällt auf. Das Tier hatte große, dicht stehende Zähne und ein sehr breites Maul. Nach Einschätzung der Forscher sprechen Größe und Schädelbau dafür, dass es aktiv Jagd auf andere Tiere machte.
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Größter bekannter Plagiosaurier
Plagiosaurier lebten im Wasser. Ihre flachen Körper waren an eine Lebensweise am Gewässerboden angepasst. Fossilien dieser Gruppe wurden bereits an verschiedenen Orten der Welt gefunden.
Arctobatrachus urdensis nimmt unter ihnen jedoch eine besondere Stellung ein. Mit seiner Größe von mehr als zwei Metern war er nicht nur ungewöhnlich groß, sondern stand offenbar auch an der Spitze der Nahrungskette. Damit unterscheidet er sich von vielen anderen bekannten Plagiosauriern, die deutlich kleiner waren und wahrscheinlich eher als Lauerjäger am Gewässergrund lebten.
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Die wissenschaftliche Analyse ordnet die neue Art an der Basis der Plagiosaurier ein. Das macht den Fund für die Erforschung der Entwicklung dieser Tiergruppe besonders interessant.
Ein Tier aus einer Zeit großer Veränderungen
Die neue Art lebte in der mittleren Trias. Diese Zeit folgte auf ein gewaltiges Artensterben, das einige Millionen Jahre zuvor stattgefunden hatte. Die Lebenswelt der Erde veränderte sich damals stark. Rainer Schoch vom Naturkundemuseum Stuttgart sieht Arctobatrachus urdensis als einen Vertreter jener Tiere, die von den veränderten Bedingungen profitierten.







