Bei der Schlacht von Visby im Juli 1361 trafen die einfallenden dänischen Truppen auf die Verteidiger der schwedischen Insel Gotland. Zahlreiche im Kampf gefallene Menschen wurden anschließend in Massengräbern bestattet, die Forschern bis heute wertvolle Einblicke in die mittelalterliche Kriegsführung ermöglichen. In einer neuen Studie haben Wissenschaftler nun eine tödliche Waffe identifiziert, die bei einigen Verletzungen charakteristische quadratische Spuren an den Knochen hinterließ.

Die Suche nach einer tödlichen Waffe

Die archäologischen Überreste der Schlacht von Visby gelten als außergewöhnlich wertvolle Quelle für die Erforschung mittelalterlicher Kriegsführung. Die 1905 vor den Toren der Stadt entdeckten Massengräber wurden zwischen 1928 und 1930 systematisch untersucht. Die ungewöhnlich gut erhaltenen menschlichen Überreste sowie die geborgenen Waffen und Kettenhemden ermöglichen detaillierte Einblicke in die damaligen Kampfhandlungen. Zahlreiche Schnittverletzungen und die dafür verantwortlichen Waffen konnten bereits umfassend dokumentiert werden. Rätselhaft blieben jedoch bestimmte quadratische Verletzungen an den Schädeln.

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Ein Forschungsteam unter der Leitung des biologischen Anthropologen Patrick Randolph Quinney von der Universität Uppsala in Schweden widmete sich diesen Verletzungen, um die dafür verantwortliche Waffe zu identifizieren. Dafür untersuchten die Wissenschaftler sieben Schädel aus Visby mithilfe von Strukturlicht-Scanning und Mikrophotogrammetrie, berichtet das „Archaeology Magazin“. Auf diese Weise entstanden hochauflösende dreidimensionale Modelle der Verletzungen. Die Schädelmodelle wurden anschließend mit einem Weichgewebeersatz überzogen, während ballistische Gelatine als Nachbildung des menschlichen Muskelgewebes diente. Darüber wurde zusätzlich eine Rüstung angebracht, um die historischen Bedingungen möglichst realitätsnah nachzustellen.

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Die Forscher untersuchten drei mögliche Waffen: eine Armbrust, eine Stachelaxt und eine Stachelkeule. Während der simulierten Schläge trug der beteiligte Forscher Ray Whitcher einen Anzug zur Erfassung von Bewegungen in vier Dimensionen. Das System dokumentierte die Bewegungsabläufe bei jedem Schlag präzise. Anschließend verglich das Forschungsteam die dabei entstandenen Knochenschäden mit den Verletzungsmustern der Schädel aus Visby. Sowohl die Armbrust als auch die Stachelaxt konnten aufgrund der Unterschiede ausgeschlossen werden. Die Stachelkeule hingegen erzeugte Verletzungen, die den historischen Schädelverletzungen auffallend ähnlich waren. Eine anschließende forensische Analyse der Frakturen bestätigte diese Übereinstimmung.

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Multiple Verletzungen: Forscher rekonstruieren Kampf

Die detaillierte Analyse der Schädelverletzungen ermöglicht den Forschern eine Rekonstruktion einzelner Abläufe während der Schlacht. An einem der Schädel lassen sich beispielsweise zunächst Verletzungen durch eine Axt und anschließend Schäden erkennen, die einem Schlag mit einer Stachelkeule entsprechen. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass es sich möglicherweise um einen Gruppenkampf handelte, bei dem zwei Angreifer gleichzeitig oder nacheinander auf dasselbe Opfer einwirkten. Insbesondere die nun identifizierte Stachelkeule erwies sich dabei als äußerst wirkungsvolle und potenziell tödliche Waffe.

Spiked club delivered the final blow in the 1361 Battle of Visby, study finds
Massengrab: Menschliche Überreste der Schlacht von Visby© Screenshot | Public Domain

Die Ergebnisse stellen zudem die lange vertretene Annahme infrage, bei den Verteidigern Gotlands habe es sich überwiegend um schlecht ausgebildete Männer mit geringen militärischen Fähigkeiten gehandelt. Zwar bestand die Verteidigung wahrscheinlich vor allem aus lokalen Kämpfern und nicht aus einer professionellen stehenden Armee, doch die dokumentierten Verletzungsmuster weisen auf geübte Kampftechniken und koordinierte Angriffe hin. Da vergleichbare Verletzungen auch an Skelettresten aus den Schlachten von Towton und Stirling in Großbritannien nachgewiesen wurden, können die Untersuchungen aus Visby künftig als wichtige Vergleichsgrundlage für die Erforschung mittelalterlicher Kampfhandlungen dienen.

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Die Schlacht von Visby: Die dänische Invasion auf Gotland

Nach der Festigung der dänischen Herrschaft richtete König Waldemar Atterdag (1321 bis 1375) seine politischen und territorialen Ambitionen zunehmend auf Schweden. Nachdem die Region Schonen in seinen Einflussbereich geraten war, rückte die wohlhabende Insel Gotland in den Mittelpunkt seines Interesses. Nach der ersten Schlacht am 24. Juli 1361 bei Mästerby verlagerte sich das Kampfgeschehen vor die Tore der Stadt Visby, wo das aus den Bewohnern Gotlands bestehende Heer eine vernichtende Niederlage erlitt.