Im Vatikan wird es zunehmend weiblich: Papst Leo XIV. besetzt wichtige Ämter und Beratungsgremien immer häufiger mit Frauen, darunter auffallend viele jüngere Fachleute mit internationaler Erfahrung. Italiens Medien schreiben bereits von einer „rosa Linie“ des Kirchenoberhaupts aus den USA. Besonders deutlich wird der Trend bei der jüngsten Erneuerung des vatikanischen Wirtschaftsrats. Unter den acht neu berufenen Mitgliedern des 15‑köpfigen Gremiums sind immerhin zwei Frauen: die italienische Finanzmanagerin Elena Wettstein Principato und Gisela Bergmann, gebürtige Prinzessin von und zu Liechtenstein. Beide bringen langjährige internationale Erfahrungen aus der Finanz- und Unternehmenswelt mit.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wettstein Principato, eine 49-jährige Römerin, ist für das Vertriebsmanagement Europa International bei der Schweizer Großbank
UBS verantwortlich und verfügt über umfangreiche Kenntnisse im Vermögens- und Wealth-Management. Gisela Bergmann, Urenkelin des letzten österreichischen Kaisers Karl I., steht seit 2022 an der Spitze des liechtensteinischen Treuhandunternehmens Industrie- und Finanzkontor. Die 36-Jährige studierte Umweltingenieurwesen an der ETH Zürich und sammelte anschließend unter anderem Erfahrungen im Investmentbanking und im Ingenieurwesen in London, Kanada, Singapur und der Schweiz. Mit den beiden Frauen gehören nun insgesamt vier Frauen dem Wirtschaftsrat an.
Lesen Sie auch
Bereits Papst Franziskus hatte 2020 sechs Frauen in sein Gremium berufen. Mit den beiden Neuernannten gehören Leos Wirtschaftsrat nun insgesamt vier Frauen an. Zu den weiterhin amtierenden Mitgliedern zählen die deutsche Rechtswissenschaftlerin Charlotte Kreuter-Kirchhof als Stellvertreterin des Koordinators Kardinal Reinhard Marx sowie die britische Finanzexpertin Leslie Jane Ferrar, die zuvor Schatzmeisterin des damaligen Prinzen Charles, des heutigen britischen Königs, war.
Papst Leo will mehr Frauen in wichtigen Vatikan-Ämtern
Auch in anderen Spitzenämtern gewinnen Frauen zunehmend an Einfluss. Ordensfrauen übernehmen im Vatikan bereits seit einigen Jahren Aufgaben, die lange Zeit ausschließlich eine Männerdomäne waren. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Alessandra Smerilli wird ab September das vatikanische Entwicklungsministerium leiten. Simona Brambilla steht seit Anfang 2025 an der Spitze des Ordensdikasteriums. Die Ordensschwester Raffaella Petrini ist seit März 2025 Regierungschefin des Vatikanstaats.
Auch in den Beratungsgremien der Kurie wächst der weibliche Einfluss. Leo XIV. berief zuletzt sechs hochrangige Ordensschwestern in den Beraterstab des Ordensdikasteriums. Unter ihnen ist die Irin Patricia Murray, die elf Jahre lang Exekutivsekretärin der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen war und seit 2023 das Bildungsdiktaturium berät. Sie war 2023 die erste Frau in der Kommission, die den Synthesebericht der ersten Sitzung der Weltsynode ausarbeitete.
Weitere neu berufene Beraterinnen verfügen über besondere Expertise in der Prävention und Aufarbeitung von Missbrauch an Ordensfrauen. Dazu gehören die Inderin Maria Nirmalini, die Togoerin Mary Makamatine Lembo und die Mexikanerin María Rosaura González Casas. Auch Schwester Maria do Disterro Rocha Santos aus Brasilien und die Italienerin Chiara Lorenzato gehören dem neuen Beraterkreis an.
Mehr News aus Italien
Schon Vorgänger Franziskus setzte auf Frauen im Vatikan
Den Posten der Medienchefin wird María Montserrat Alvarado übernehmen, die das Amt im November antritt. Sie ist dann gerade 39 Jahre alt – und Laiin. Leo XIV. hatte die in Mexiko geborene US-Amerikanerin am 2. Juni zur neuen Präfektin des Dikasteriums für die Kommunikation ernannt. Alvarado leitete seit 2023 die Nachrichtensparte des konservativen katholischen Medienimperiums EWTN, das insbesondere in den USA und Lateinamerika eine große Reichweite hat. Das Mediennetzwerk ist auch im deutschsprachigen Raum vertreten, unter anderem mit dem deutschsprachigen Zweig der Nachrichtenagentur CNA (Catholic News Agency).
Mit dem Grundtext zur Kurienreform „Praedicate Evangelium“ von 2022 hatte Papst Franziskus ermöglichst, dass in Zukunft Laien und damit auch Frauen als Präfekten Dikasterien (zentrale Behörden) der römischen Kurie leiten können. Für Aufsehen hatte 2016 die Berufung von Barbara Jatta an die Spitze der Vatikanischen Museen gesorgt. Diese zählen zu den fünf meistbesuchten Museen weltweit. Die gebürtige Römerin ist weiterhin im Amt.







