Ob Spree oder Bodensee: Sobald die Sommerhitze einsetzt, gehen Menschen in Deutschlands Gewässern baden. Und jedes Jahr gibt es Todesopfer. Am letzten Juniwochenende, als Deutschland unter der ersten Hitzewelle des Jahres ächzte, starben nach Zahlen der DLRG 26 Menschen im Wasser, bis auf einen alle in Seen oder Flüssen. Alle Toten waren männlich.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
„Wir sehen für dieses Wochenende eine verheerende Bilanz“, sagt DLRG-Pressesprecher Martin Holzhause. Zu den 26 Toten des Wochenendes kommen auch sieben Badetote allein am 25. Juni, ebenfalls alle männlich. „Wir wissen von acht Fällen, wo Menschen nach einer Reanimation in ein Krankenhaus gebracht wurden.“ Schon seit Jahrzehnten zeigt sich, dass es in erster Linie Männer sind, die beim Baden ihr Leben verlieren. Aber woran liegt das?
Lesen Sie auch
DLRG-Sprecher: Diese Eigenschaft wird Männern zum Verhängnis
Dass eine große Mehrheit unter den Badetoten männlich ist, ist kein neues Phänomen, betont der DLRG-Sprecher. „Wir führen seit 25 Jahren eine Statistik zu Todesfällen in den Gewässern. Nahezu unverändert liegt der Anteil der männlichen Opfer bei etwa 80 Prozent.“ Und es betrifft nicht nur junge Männer. Viele Badetote dieses Wochenendes waren im Alter zwischen 20 und 40, sagt Holzhause. Und auch einige Senioren starben.
„Am Donnerstag hatten wir zwei ältere Männer, 71 und 74 Jahre alt, die in den Bodensee gesprungen sind“, berichtet der DLRG-Sprecher. „Sie waren mit ihren Ehefrauen auf einem Boot unterwegs. Sie sind ins Wasser gesprungen und nicht wieder aufgetaucht.“ Im Bodensee könne es sein, dass ihre Leichen nie gefunden werden.
„Es ist so, dass Männer sich viel risikofreudiger verhalten. Gefahren verkennen, sie gering schätzen oder ignorieren“, erklärt Holzhause. Das gelte ebenso für das Ignorieren von Badeverboten, die zum Beispiel am Rhein in den vergangenen Jahren in immer mehr Bereichen ausgesprochen wurden. Männer gehen außerdem häufiger betrunken ins Wasser. Selbstüberschätzung sei ein großer Faktor, auch bei älteren Männern, sagt der DLRG-Sprecher. „Die gehen schwimmen, und am Anfang geht es ihnen auch noch gut.“ Doch sie bemerken nicht, dass sie vielleicht nicht so leistungsfähig sind wie gedacht, etwa bei dem Hitzewetter. Und das, wo Männer auch grundsätzlich ein größeres Risiko von Herz-Kreislauf-Notfällen haben.

Badetote selten weiblich: „Frauen sind vorsichtiger“
Dazu kommt: „Sehr viele Menschen gehen gar nicht regelmäßig schwimmen.“ Bei den heißen Temperaturen sind dann alle am Wasser.“ Und Männer stürzen sich dann bereitwilliger ins Gewässer, schwimmen weiter raus, als sie tatsächlich leisten können. „Frauen sind vorsichtiger, gehen diese Risiken eher nicht ein“, sagt Holzhause. Sie verhalten sich eher so, wie es sicher ist, tasten sich langsam heran. Oder gehen gar nicht erst rein, wenn sie sich körperlich nicht fit fühlen.
Der DLRG versucht entgegenzuwirken: „In Schwimmkursen wird das natürlich viel thematisiert. Wer tatsächlich richtig schwimmen lernt, befasst sich auch mit den Gefahren.“ Unter den Badetoten finden sich bisher immer wieder auch Nichtschwimmer, deren Risiko erwartungsgemäß deutlich höher ist. Daher der Appell der DLRG: „Das Angebot an Schwimmausbildungen sollte ausgebaut werden.“
Sommerwetter wird Zahl der Badetoten beeinflussen
Doch auch Jungs und Männer, die das Schwimmen richtig gelernt haben, entscheiden sich dazu, Risiken und Vorsichtsmaßnahmen zu ignorieren. Dagegen setzt die DLRG auf Aufklärung. „Da passiert sicherlich viel, doch es kann auch noch mehr passieren.“ Bei entsprechenden Angeboten, die sich zum Beispiel an Schulklassen richten, wird im Wissen um das Risiko auch ein großes Augenmerk auf die männlichen Teilnehmer gelegt.
- Extremwetter: Ab welchen Temperaturen spricht man von einer Hitzewelle?
- Sommernächte: Besser schlafen bei Hitze – 13 Tipps für ein kühles Schlafzimmer
- Experte: Gestresst und aggressiv bei Hitze? Was Sie jetzt tun können
- Gesundheit: Hitzschlag & Sonnenstich – Das sollten Sie wissen
- Interaktiv: Ist dieser Sommer noch normal?
Doch wie viele Menschen diesen Sommer in deutschen Gewässern sterben, wird wohl vor allem vom Wetter beeinflusst werden: „Es wird sehr davon abhängen, wie der Sommer verläuft. Wenn wir mehr solcher Hitzephasen haben, dann wird es auch mehr Unfälle geben“, so Holzhause im Ausblick.
DLRG gibt lebenswichtige Bade-Tipps
Es liegt nahe, bei Überhitzung ins kühle Nass zu springen, doch genau davor warnt die DLRG: Stattdessen sollten sich Badende vorher abkühlen und auch genug Wasser trinken, um keine Kreislaufprobleme zu riskieren. Daneben rät die Organisation, nur an bewachten Badestellen ins Wasser zu gehen und Strömungen sowie unbekannte Gewässer zu meiden. Besonders die Strömungen in Flüssen werden jedes Jahr sogar geübten Schwimmern zum Verhängnis.
Ebenso sind Schwimmer angehalten, die eigene Leistungsgrenze realistisch einzuschätzen und auf keinen Fall unter Alkohol- und Drogeneinfluss zu schwimmen. Dabei gilt es auch, beim Baden auf Mitmenschen zu achten und Kinder nie ohne Aufsicht ins Wasser zu lassen.







