Der Neuenburgersee in der Schweiz spielte schon in der Antike eine wichtige Rolle für Handel und Verkehr. Sowohl die Kelten als auch später die Römer nutzten die Region als Siedlungs- und Wirtschaftsraum. Funde aus der Umgebung zeigen, wie eng der See schon damals in größere Verbindungen aus Wegen, Warenströmen und Werkstätten eingebunden war.

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Doch nicht jede Lieferung kam an. Davon zeugt nun ein außergewöhnlicher Fund auf dem Grund des Neuenburgersees: Archäologen entdeckten dort eine große römische Schiffsladung, die fast 2000 Jahre im Schlamm verborgen lag. Der Kanton Neuenburg machte den Fund nun öffentlich.
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Römische Fracht im Neuenburgersee: Teller, Becher, Werkzeuge und Schwerter
Geborgen wurden Hunderte Gegenstände aus Keramik: Teller, Schüsseln, Becher und Schalen, die nach bisherigen Erkenntnissen in der heutigen Schweiz hergestellt wurden, dazu Amphoren für Olivenöl aus Spanien. Auch Werkzeuge und mehrere römische Kurzschwerter kamen ans Licht. Die Funde seien in einem ausgezeichneten Zustand, heißt es in einer Mitteilung des Kantons. Über Jahrhunderte lagen die Stücke unter einer schützenden Sandschicht und blieben so weitgehend vor Zerstörung bewahrt.
Ihre eigentliche Bedeutung liegt jedoch nicht nur im guten Zustand der Objekte. Der Kanton Neuenburg schreibt, die Funde belegten ein „duales Transportsystem“ aus Land- und Wasserwegen. Das heißt: Die Römer transportierten ihre Waren nicht nur auf Straßen, sondern nutzten verschiedene Verkehrswege, die eng miteinander verbunden waren.
Der Fund eröffnet also den Blick auf ein ganzes Wirtschaftssystem. Die Ladung zeigt, dass Waren schon damals in größerem Stil hergestellt, verschickt und über weite Strecken gehandelt wurden. Nach Einschätzung des Kantons könnte der Fund nun neue Hinweise auf Austauschnetze, technisches Know-how, Keramikwerkstätten und die Vermarktung solcher Waren liefern.
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Rätsel um das römische Schiff: Warum ging die Ladung verloren?
Und doch bleibt die entscheidende Frage offen: Warum landete die Fracht auf dem Grund des Neuenburgersees? Nach Einschätzung der Fachleute ging die Ladung wohl zwischen den Jahren 20 und 50 nach Christus verloren. Eine der Kisten wurde sogar auf das Jahr 17 datiert. Das ist bemerkenswert, weil die Region damals gerade erst endgültig unter römische Herrschaft geriet.
Offen ist allerdings nicht nur die Ursache des Verlusts. Auch die Art des Schiffs und sein Ziel geben den Forschern bislang Rätsel auf. Dass unter den Funden mehrere Schwerter sind, lässt unterschiedliche Deutungen zu. Möglich wäre, dass ein ziviles Handelsschiff unterwegs war, das von Soldaten begleitet wurde. Ebenso denkbar ist jedoch, dass die Waffen wie andere Teile der Ladung in einer Notsituation über Bord gingen, um das Schiff zu entlasten.
Für diese Lesart spricht vor allem die Verteilung der Fracht auf dem Seegrund. Die Fundorte erstrecken sich über rund 600 Meter und wirken damit weniger wie das Ergebnis eines gewöhnlichen Schiffsuntergangs als wie die Spur eines dramatischen Zwischenfalls während der Fahrt. Vom Schiff selbst wurde bislang jedoch keine Spur gefunden.
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Entdeckung im Neuenburgersee: Luftaufnahmen führten zu dem Fund
Auf den Fund aufmerksam wurden die Archäologen im November 2024. Luftaufnahmen des Amts für Archäologie des Kantons Neuenburg zeigten damals einen auffälligen dunklen Bereich auf dem Seegrund. Danach wurde die Stelle mit Unterwasserdrohnen genauer untersucht. Zunächst dachte offenbar niemand an eine römische Schiffsladung. Marc-Antoine Kaeser, Leiter des Archäologischen Museums Laténium, sagte dem „Tages-Anzeiger“, man habe anfangs eher vermutet, auf ein altes Militärminen-Depot gestoßen zu sein. „Dass es sich dabei um eine perfekt erhaltene römische Schiffsladung handelte, hätten wir nie erwartet.“
Öffentlich machte der Kanton den Fund jedoch vorerst nicht. Der Grund war die Sorge vor Plünderungen. Deshalb liefen die Ausgrabungen unter strenger Geheimhaltung. Besonders empfindliche Objekte wurden inzwischen geborgen. Präsentiert werden sollen die Fundstücke im Archäologiemuseum Laténium. Zuvor müssen sie allerdings erfasst, konserviert und restauriert werden.









