Kristen Stewart hat Hollywood nie als geschlossenen Club behandelt, dem man dankbar sein muss. Die 35-Jährige, bekannt als Schauspielerin, Drehbuchautorin und inzwischen auch Regisseurin, hat die Branche schon mehrfach öffentlich kritisiert – und legt jetzt nach. In einem Interview mit der britischen „Times“ sagt Stewart, Schauspielerinnen würden in Hollywood „wie Dreck“ behandelt. Ernst genommen, so ihr Vorwurf, sei sie erst worden, als sie nicht mehr nur vor der Kamera stand.
Lesen Sie auch
Hollywood-Hierarchie: Kristen Stewart über Respektmangel gegenüber Schauspielerinnen
Im Interview mit der „Times“ beschreibt Stewart, wie gering die Messlatte für ihren Beruf oft angesetzt werde. Viele in der Branche hielten Schauspielerei offenbar für etwas, das „jeder“ irgendwie könne, sagt sie. Umso größer sei ihr Erstaunen gewesen, als sie sich zum ersten Mal in ihrer neuen Rolle an den Tisch setzte, um als Regisseurin über ihren Film zu sprechen. Plötzlich habe sich der Ton verändert. „Wow, das ist eine ganz andere Erfahrung“, erinnert sie sich – und fügt hinzu, man habe auf einmal mit ihr geredet, „als hätte ich ein Gehirn“.
Auch den Mythos vom Regisseur als Genie kritisiert Stewart. Regisseure würden oft so behandelt, als verfügten sie über „überirdische Fähigkeiten“. Sie hält diesen Kult für eine Illusion – und deutet an, dass er besonders häufig von Männern gepflegt werde.
Auch interessant
Regiedebüt „The Chronology of Water“: Warum Stewart jetzt selbst führt
Dass Stewart so scharf über Hollywood spricht, hat auch mit ihrem eigenen Regieprojekt zu tun, das sie sich über Jahre erkämpft hat. Nach ihren Angaben dauerte es acht Jahre, bis „The Chronology of Water“ finanziert war; erst am Ende stieg Scott Free Productions ein, die Produktionsfirma von Tony und Ridley Scott. Der Film ist ab dem 6. Februar im Kino zu sehen.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Ihr Regiedebüt basiert auf dem Buch von Lidia Yuknavitch. „The Chronology of Water“ ist ein Coming-of-Age-Drama, das dorthin geht, wo viele Filme lieber ausweichen: zu Missbrauch, Sucht und Scham – und zu der Frage, was es kostet, den eigenen Körper nicht als Problem, sondern als Teil der eigenen Geschichte zu begreifen. Stewart besetzt Imogen Poots in der Hauptrolle und erzählt konsequent aus weiblicher Perspektive.
Mit dem Film habe sie „zu einer Welt sprechen wollen, die darauf ausgerichtet sei, Frauen zum Schweigen zu bringen“, sagt Stewart. Sichtbarkeit müsse man sich erkämpfen – manchmal, so beschreibt sie es, indem man buchstäblich Platz schafft: „Wir müssen Leute aus dem Weg schieben, damit unsere Erfahrungen gesehen werden, und das macht Menschen wütend.“
- „Eberhofer“-Star: Lisa Maria Potthoff – „Manchmal ist eine Pause gut“
- Autorin: Cornelia Funke – „Ich werde meinen Mann immer vermissen“
- Schauspielerin: Iris Berben hadert mit dem Altern – „Möchte wissen, wie es weitergeht“
- TV-Star: Patrick Kalupa über Familie – „Wusste nicht, wie wir die Kinder ernähren“
#MeToo in Hollywood: Warum Kristen Stewart von einem Rückschritt spricht
Stewart hatte ihre Kritik bereits im vergangenen November zugespitzt und die Lage für Filmemacherinnen in Hollywood als „verheerend“ bezeichnet. Nach #MeToo, sagt sie, habe es für einen kurzen Moment so ausgesehen, als könnten Geschichten von und für Frauen endlich die Anerkennung bekommen, die ihnen zusteht. Frauen seien damals sogar ermutigt worden, sich „ungefiltert“ auszudrücken. Doch dieser Moment sei längst wieder vorbei, sagt Stewart. Sobald Filme „zu düster“ oder „zu tabu“ würden, beginne der Kampf von vorn – und wenn weibliche Erfahrungen ohne Schönung gezeigt werden, stoße das „regelmäßig“ auf „Ekel und Ablehnung“.
Stewart spricht dabei nicht als Außenstehende. Sie kennt Hollywood seit ihrer Kindheit: Aufgewachsen in Los Angeles, begann sie mit neun zu spielen und bekam mit zwölf ihre erste große Rolle – als Tochter von Jodie Foster in „Panic Room“. Später wurde sie als Star der „Twilight“-Saga weltweit bekannt, übernahm anschließend Rollen in unterschiedlich ausgerichteten Filmprojekten – und arbeitet inzwischen auch als Regisseurin.









