An einem Amazon-Standort im britischen Coventry sind mehrere Fälle einer Infektionskrankheit aufgetreten, die nach wie vor zu den gefährlichsten der Welt zählt. Darüber berichtet die BBC unter Berufung auf eine Mitteilung der Gewerkschaft GMB vom Freitag. Demnach wurden bereits im September zehn Beschäftigte eines „Amazon Fulfillment-Centers“ positiv auf Tuberkulose getestet.

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Großbritannien: Infektionskrankheit in einem Amazon-Lager entdeckt

Amazon bestätigte den Vorfall und betonte, dass es sich um eine nicht ansteckende Form der Krankheit handele. In enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden sei ein umfassendes Screening-Programm mit größter Sorgfalt durchgeführt worden. Der Betrieb des Fulfillment-Centers mit rund 3000 Beschäftigten lief währenddessen weiter.

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Nach Angaben des Unternehmens habe man sich konsequent an die geltenden Sicherheitsstandards sowie an die Leitlinien des britischen Gesundheitsdienstes NHS und der Gesundheitsbehörde UKHSA gehalten, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Dr Roger Gajraj, Berater für Gesundheitsschutz bei der UKHSA in den West Midlands, erklärte, dass alle betroffenen Personen gut auf die Behandlung ansprechen. Zudem sei es möglichen Kontaktpersonen ermöglicht worden, freiwillig einen Tuberkulosetest durchführen zu lassen.

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Tuberkulose zählt weiterhin zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation, der am 13. November 2025 veröffentlicht wurde, erkrankten im vergangenen Jahr weltweit rund 10,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Etwa 1,23 Millionen Todesfälle wurden der Krankheit zugeschrieben. Trotz vorhandener Präventions- und Therapiemöglichkeiten gehört Tuberkulose damit weiterhin zu den häufigsten Todesursachen durch einen einzelnen bakteriellen Erreger.

Gewerkschaft fordert Schließung der Einrichtung

Die Gewerkschaft GMB fordert laut BBC von Amazon die vorübergehende Schließung des Standorts. Die Beschäftigten sollten demnach unter voller Lohnfortzahlung nach Hause geschickt werden, um eine vollständige Eindämmung der Krankheit zu gewährleisten. Rückendeckung erhält die Gewerkschaft aus der Politik. Zarah Sultana, Abgeordnete ihrer Partei für Coventry South, hält eine Schließung für notwendig und wirft dem Konzern vor, seine Mitarbeitenden wie „Wegwerfartikel“ zu behandeln.

Gegenüber der BBC fand Sultana deutliche Worte: „Es handele sich um ein Unternehmen, das sich offenbar über geltendes Recht hinwegsetze und Menschen Arbeitsbedingungen zumute, die eher an die viktorianische Ära erinnerten. Der aktuelle Fall sei ein drastisches Beispiel dafür, warum die Gewerkschaftsbewegung überhaupt entstanden sei.“

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Tuberkulose-Tote auch in Deutschland

Auch hierzulande wird die Gefahr durch Tuberkulose häufig unterschätzt. Typische Symptome wie über längere Zeit anhaltender Husten, nächtliches Schwitzen, Fieber oder unbeabsichtigter Gewichtsverlust werden oft nicht mit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Fachleute gehen daher davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen höher liegen könnte als offiziell erfasst.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurden für das Jahr 2024 insgesamt 4391 Tuberkulosefälle in Deutschland registriert. Das entspricht einem leichten Rückgang im Vergleich zu 2023, als 4494 Erkrankungen gemeldet wurden. Wie bereits in den Vorjahren waren Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen, etwa doppelt so oft. Zudem wurden 104 Todesfälle verzeichnet, bei denen Tuberkulose als Todesursache angegeben wurde. Im Jahr zuvor lag diese Zahl noch bei 135.

Die Tuberkulosezahlen werden jährlich vom Robert Koch-Institut erfasst und ausgewertet. Trotz moderner Diagnostik und guter Behandlungsmöglichkeiten bleibt die Erkrankung damit auch in Deutschland ein ernstzunehmendes gesundheitliches Problem.