Blauer Schaum statt brennender Augen: In den Niederlanden erlebt derzeit ein ungewöhnliches Selbstverteidigungsprodukt einen Boom. Das sogenannte „Schlumpf-Spray“ markiert Angreifer mit Farbe und nimmt ihnen für Sekunden die Sicht. Binnen weniger Tage war es laut niederländischen Medienberichten in vielen Städten ausverkauft, auf TikTok und Instagram trendet es unter jungen Frauen als neues Must-have für den Heimweg.

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Dass gerade dieses Spray so gefragt ist, liegt laut niederländischen Medien am kollektiven Schock, den ein Femizid Mitte August ausgelöst hat: die Tötung einer 17-jährigen Schülerin in Amsterdam, mutmaßlich durch einen 22-jährigen Mann. Seitdem herrsche große Verunsicherung – und die Nachfrage nach Produkten zur Selbstverteidigung sei gestiegen.
Die politische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Im Parlament kündigte Justizminister David van Weel an, prüfen zu lassen, ob Pfefferspray legalisiert werden könne. Bisher gilt es in den Niederlanden als verbotene Waffe. Während die Regierung noch über Pfefferspray debattiert, hat ein anderes Produkt die Straßen längst erobert: das sogenannte „Schlumpf-Spray“.
Schlumpf-Spray: Wie es funktioniert
Das Schlumpf-Spray sieht auf den ersten Blick aus wie eine herkömmliche Abwehrdose. Doch statt zum Beispiel CS-Gas enthält es harmlose Lebensmittelfarbe, die beim Austreten zu Schaum wird. Dieser sprüht bis zu mehreren Metern weit, benetzt Gesicht und Kleidung und soll Angreifer so kräftig einfärben, dass die Spuren tagelang sichtbar bleiben. Für Betroffene bedeutet das: ein kurzer Moment, um zu fliehen. Für Täter: ein deutliches Erkennungszeichen, das auch nach Tagen kaum zu verbergen sei.
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In Online-Shops wird das Spray für 9,90 bis 14,95 Euro für 40 Milliliter angeboten. Auch andere Farben sind erhältlich. Es ist die Rede von einer „legalen Alternative zu Pfefferspray“.
Dass das Spray ausgerechnet jetzt die Lücke füllt, zeigt, wie stark das Bedürfnis nach greifbaren Mitteln ist. Pfefferspray ist in den Niederlanden verboten, viele Frauen suchen nach legalen Alternativen. Gleichzeitig verstärken Clips auf TikTok und Instagram den Eindruck, dass jede sofort handeln kann. In einer Atmosphäre ständiger Unsicherheit verschafft das kleine Gerät in der Tasche zumindest ein Stück Kontrolle.
Alternative zu Pfefferspray: Kommt der Trend auch nach Deutschland?
Und Deutschland? Hier gibt es schon länger Selbstverteidigungsmittel, die ohne Reizstoffe arbeiten und stattdessen auf Markierungsfarben setzen. Sie sind in der Regel frei erhältlich, solange sie keine gesundheitsschädlichen Substanzen enthalten. Pfefferspray wiederum darf zwar verkauft werden, meist als Tierabwehrspray, sein Einsatz gegen Menschen ist aber rechtlich heikel: Eingesetzt werden dürfen sie nur in akuten Notwehrsituationen – also wenn ein Angriff unmittelbar bevorsteht oder andauert.
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Auch in Deutschland gibt es bereits Sprays, die auf Färbung statt auf Reizstoffe setzen. Sie sind frei erhältlich, solange sie keine gesundheitsschädlichen Substanzen enthalten. Dennoch gilt: Eingesetzt werden dürfen sie nur in akuten Notwehrsituationen – also wenn ein Angriff unmittelbar bevorsteht oder andauert.
Problematisch bleibt, dass das Schlumpf-Spray nicht nur abwehrt, sondern Angreifer dauerhaft markiert. In Deutschland könnte das schnell heikel werden. Strafverfolgung ist Aufgabe der Polizei, nicht von Privatpersonen. Wer eine Person tagelang sichtbar einfärbt, bewegt sich rechtlich in einer Grauzone und riskiert, sich selbst strafbar zu machen.








