- Judy Winter erzählt von ihrer schwierigen ersten Liebe
- Ungleiche Machtverhältnisse prägten ihre Jugendjahre
- Heute genießt die Schauspielerin ihr Leben als unabhängige Single-Frau
Wenn Judy Winter im neuen Film über die Familie Bundschuh (am 1. September um 20.15 Uhr im ZDF) zu sehen ist, dann kann sie auf eine jahrzehntelange Karriere in der deutschen Film- und Fernsehbranche zurückblicken. Doch es gab eine Person, die der heute 81-Jährigen das Talent dafür absprach – allen voran ausgerechnet ihre erste große Liebe. Wie sie heute darauf blickt, berichtet die Schauspielerin den Tageszeitungen der FUNKE Mediengruppe in der Reihe „Meine erste Liebe“.
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Könnte Sie ein Mann mit einem Campingurlaub begeistern – so wie das Gerald Bundschuh bei seiner Frau versucht?
Judy Winter: Das ist nicht mein Ding. Ich brauche mein Badezimmer, meinen Eisschrank und meine Küche.
Welchen Wunsch müsste ein Mann erfüllen, um seine Beziehung mit Ihnen am Laufen zu halten?
Winter: Ein Traum ist natürlich ein Haus oder Apartment am Meer oder mit Blick auf das Meer. Das habe ich auch bekommen, denn mit meinem Ex-Mann hatte ich ein Haus auf Ibiza. Und wir sind viel ans Meer gereist.
Judy Winter über erste Liebe: „Er fand mich nicht gut“
Wann haben Sie die erste Erfahrung mit Liebe überhaupt gemacht?
Winter: Mit 16. Das war Regisseur Peter Zadek, mit dem ich dann sechs, sieben Jahre zusammengelebt habe. Vorher gab es nur unschuldige Flirts.
Wie haben Sie Zadek kennengelernt?
Winter: Das war in Ulm, als ich noch auf der Schauspielschule war. Ich habe für den „Kaufmann von Venedig“ vorgesprochen, wurde besetzt und während der Probenzeit haben wir uns ineinander verliebt. Er hat sich meinen Eltern vorgestellt, dann war das geritzt, und nach einem Jahr bin ich mit ihm nach Bremen gegangen, wo er am Theater inszenierte.

Dass er 18 Jahre älter war als sie, hat Ihre Eltern nicht gestört?
Winter: Nein.
Sorgte es nicht für Konflikte, dass Ihr Partner auch noch Ihr Regisseur war?
Winter: Gott, Konflikte. Er fand mich nicht gut, deshalb hat er mich danach auch nur noch einmal besetzt – im „Frühlingserwachen“. Damit haben wir bei einem Theaterfestival in London teilgenommen, aber er wurde verrissen, während man über mich „Winter Awakening“, also „Winter-Erwachen“ geschrieben hat. Das war das Ende unserer Beziehung.
So denkt Judy Winter heute über ihre erste Liebe
Das heißt, er konnte es mit seinem Ego nicht ertragen, dass man Sie gelobt hat und ihn nicht?
Winter: Richtig.
Und dass er Sie für untalentiert hielt, hat Sie nicht gestört?
Winter: Ich habe ihm geglaubt. Ich habe gedacht, ich sei schlecht. Zwar haben mich andere Regisseure besetzt, aber er meinte, die seien Mist-Regisseure.
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Haben Sie begriffen, dass das so nicht auf die Dauer gut gehen kann?
Winter: Es war die erste Liebe. Da war ich blind. Peter Zadek war für mich Gott. Ich habe nur gelebt für ihn. Ich fand es toll, dass er mich liebt, obwohl ich so untalentiert bin.
Wie kam es dann aber dazu, dass er Sie am Anfang Ihrer Karriere besetzte?
Winter: Ich hatte damals erst für den „Kaukasischen Kreidekreis“ vorgesprochen – für die Küchenmagd Grusche, die am Schluss entsetzt schreit: „Mein Kind, mein Kind!“ Ich war damals eben erst 16 und unschuldig. Da haben sich Intendant Kurt Hübner und Zadek totgelacht. Aber dann haben sie mir den „Kaufmann von Venedig“ zum Vorspielen gegeben, und da war es passiert. Ich wurde engagiert. Er meinte, ich sei beim Vorspielen toll gewesen. Dann haben wir geprobt, und ich habe ihn angehimmelt. Er saß dabei im Sessel, und ich vor ihm auf dem Fußboden. Das war die Norm. Das waren Machtverhältnisse, die man heute nicht mehr begreifen kann.
Judy Winter: Nächste Beziehung war dann „auf Augenhöhe“
War das dann auch eine Befreiung für Sie, als es vorbei war?
Winter: Das stimmt.
Und die Trennung war einvernehmlich?
Winter: Ja, aber als ich dann meinen Kollegen Joachim Regelien geheiratet habe, dachte ich: „Peter Zadek steht vor dem Standesamt und sagt: ‚Hinfort, sie gehört mir‘.“
Wenn das passiert wäre, hätten Sie Ihren Bräutigam sitzen gelassen?
Winter: Ja, natürlich.
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Wann waren Sie denn endgültig über Zadek hinweg?
Winter: Als ich geschieden war und den Musiker Rolf Kühn kennenlernte, den ich 1975 geheiratet habe. Der war meine größte Liebe. Bei ihm war es eine Beziehung auf Augenhöhe – im Gegensatz zu Zadek. Und ein genialer Musiker ist schon toll.
Diese Ehe währte dann bis 1990. Warum nicht länger?
Winter: Weil mein Mann leider bei anderen nicht immer ‚Nein‘ sagen konnte.
Haben Sie eigentlich je Beziehungen bedauert?
Winter: Nein, es ist alles gut so, wie es gewesen ist. Das hat einen ja geformt. Ich sage mir nur: „Ich war blöd, dass ich nicht mehr Liebhaber hatte.“ Aber insgesamt bin ich zufrieden, so wie es war.
Gab es nicht viele Kandidaten, die gerne Ihre Liebhaber gewesen wären?
Winter: Das schon, aber ich habe da nie genickt.
„Familie Bundschuh“-Star: Deshalb ist sie als Single zufrieden
Sie leben seit 1990 als Single. Damit sind Sie glücklich?
Winter: Ich möchte kein anderes Leben haben. Ich fühle mich wunderbar. Denn dadurch habe ich gelernt, was ich mag und was nicht, was ich vorher gar nicht wusste. Und ich habe in der Zeit gute Freunde gefunden, wobei ich mit diesem Wort sehr sparsam umgehe. Auch darauf bin ich stolz.
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Was war das Wichtigste in Ihrem Leben – die Liebe oder die beruflichen Erfolge?
Winter: Immer die Liebe.
1999 adoptierten Sie Ihren damals 28-jährigen Schauspielkollegen Francis Winter. Haben Sie dem jemals Tipps in Sachen Beziehungen gegeben?
Winter: Das weiß ich nicht mehr. Ich habe ihm aber immer gesagt: „Versuche so zu leben, dass du dich in jedem Spiegel anschauen kannst.“ Ich habe das selbst versucht, und ich denke, das ist mir geglückt.
Und es ist ausgeschlossen, dass nochmal ein Mann imstande ist, Ihr Herz zu erobern?
Winter: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es diesen Mann gibt. Aber sollte er kommen – dann jederzeit gerne.




